Willst du Krieg?

Viele Menschen in unserem schönen und reichen Land sind nicht zufrieden, geschweige denn glücklich. Trotzdem fühlen sich die meisten von uns noch ziemlich sicher. Wer will schon wissen, auf welche Gefahren wir mit 7-Meilen-Stiefeln zusteuern?! Wir haben zwar eine innere Stimme, derweil wir aber noch damit hadern, welche Lautstärke und wieviel Kraft wir dieser Stimme geben sollen, fühlt sich unser Nachbar schon deutlich unsicherer.

Und wählt bereits rechts. Die letzten Landtagswahlen sind uns leidlich in Erinnerung. Die AfD ist emporgeschossen wie Phoenix aus der Asche (war Phoenix eigentlich rechts? Und wenn ich rechts wähle, bin ich dann vom rechten Weg abgekommen? Fragen über Fragen...).

    Wer mögen diese Menschen sein, die auf einmal rechts wählen? Es liegt die Vermutung nahe, dass es viele von denen sind, denen immer gesagt wurde: "Geh wählen, denn jeder der nicht wählt, schenkt den Rechten eine Stimme."  Ich halte das ja für totalen Unsinn. Denn es wird immer Menschen geben, und zwar aus allen Richtungen und aus allen Parteien, die mal öfter und mal seltener nicht wissen, wen oder ob sie wählen sollen. Und nun haben eben ganz viele Unsichere die AfD gewählt. Wär vielleicht besser gewesen, wenn sie nicht gewählt hätten ...

    Was uns aufrütteln sollte ist die Tatsache, dass es immer mehr Menschen gibt, die offensichtlich keine andere Lösung sehen, als sich rechten Veheißungen anzuschließen. Immer mehr Menschen, die einen emotionalen, sozialen oder materiellen Mangel empfinden, der so stark ist, dass ihnen offensichtlich die Tragweite ihrer Wahlentscheidung nicht bewußt ist. Es scheint mir wie ein kollektiver Hilfeschrei. Was zwar seltsam anmutet, wenn man sich die Wählerschaft der AfD anschaut, welche quasi eine Reichenpartei ist. Erschreckenderweise kommt ja ein Großteil der Sympathisanten aus dem reichsten Fünftel unserer Bevölkerung, nur weniger als 10% haben überhaupt ernsthafte wirtschaftliche Sorgen und der große Rest sind Besserverdiener (siehe u.a. Welt am Sonntag 30.4.2016 zur IW Studie Köln).

    So wird es auch nicht wirklich kriegsentscheidend sein, ob die NPD verboten wird oder nicht (hier kommt ein Großteil der Anhänger aus dem einkom-mensärmsten Fünftel der Bevölkerung, s. gleiche Studie w.v.). Es mag zwar nötig sein, aber aufhalten wird man damit den rechten Zustrom auch nicht, denn das ist nur Symptombekämpfung, die Ursachen bleiben. Die Prohibition hat ja auch nicht weniger Trinker produziert.

Der Rechtszulauf ist ein hausgemachtes Problem auf jeden Fall, erwachsen aus menschlicher Unreife gepaart mit falscher Zurückhaltung. Unserer Politik entgleitet unser selbstgeschmiedetes Heuchelschwert und trifft uns am Ende wieder mal selbst. Denn wir haben leider immer noch eine (Mittelalter-)Politik, die das Kapital weit über Menschlichkeit stellt, die die Bevölkerung mit trügerischem und auch zweifelhaftem Wohlstand ausstattet und ihr gleichzeitig das Recht auf reale Mitgestaltung entzieht, eine Politik, die weder willens noch fähig noch mutig genug ist, z.B. die USA oder Kanada zwar anklopfen zu lassen, ihnen aber dennoch konsequent den Zutritt zu verwehren (TTIP & Ceta). Weil wir Amerika brauchen. Irgendwie sind wir ja doch nur ein Bundesstaat der Amis... Auch mit Frau Merkel, deren Souveränität ich bewundere. Aber kann man ihr trauen? 

Ja, vielerorts fehlt es an Mut. Aber nicht bei der AfD. Denn eines muss man ihnen lassen: Wer sich der AfD anschließt, ist vielleicht nicht der klügste, aber mutig allemal. 
    Warum finden wir in den anderen Parteien so wenig politisch Mutige? Was ist denn bloß aus den Grünen geworden? Sind AfD & Co heute wirklich die einzige, wenn auch nicht erfrischende, aber rebellierende Partei? Die Rechten sind überall auf dem Vormarsch. Wenn man mal zurückschaut, sieht man doch, dass das immer nur dann möglich ist, wenn in einer Gesellschaft etwas sehr im Argen ist. Da kann man 100 mal sagen, dass es den Menschen hier und heute gut geht - stimmen tut es trotzdem nicht. Und Schönreden hat auch noch nie wirklich geholfen. Wir brauchen drastischeGegenmaßnahmen. Das bedingungslose Grundeinkommen wär ein guter Anfang, why not?!! Sonst kommen Maßnahmen, die sich drastisch gegen uns selbst richten. Probieren wir doch mal was N e u e s!! Ein Social Turn Around Management, schnell, großzügig und gerecht. Und bitte nicht so zaghaft. Sonst kommt nämlich das social turn around management der AfD. Oder noch schlimmeres.

    Dennoch glaube ich irgendwie an die Demokratie, oder will daran glauben. Warum, weiß ich gar nicht so genau, denn mit der Demokratie ist es doch wie mit Gott: Jeder hat davon gehört, aber nur die wenigsten sind ihm begegnet. Aber wenn z.B. ein Herr Juncker weiter Präsident der Europäischen Kommission bleibt, dann ist die Demokratie wirklich tot. Wie primitiv müssen Menschen sein, die glauben, das Volk ist zu dumm zum Selbstentscheiden und dass man ihm die Entscheidungen abnehmen müsse, egal ob die Menschen diese Entscheidungen wollen oder nicht?! Leider hab ich insgesamt die Befürchtung, dass entsprechend ein großes Drama gar nicht mehr aufzuhalten ist, die Fakten sprechen für sich. Die Unreife des Menschen macht es möglich. Innerlich schwanke ich also zwischen Zuversicht und Verzweifelung, aktuell ungefähr im Verhältnis von 48:52%. Wie beim Brexit.
    Wer die Wahrscheinlichkeit von Krieg ignoriert, ist naiv. Das sei Panikmache? Nein, Panik wird nur der bekommen, den es unverhofft, unvorbereitet und mit aller Wucht trifft. Oder dieser gerngesagte Satz: Uns ging es doch noch nie so gut wie heute. Ach, ist das so? Darf man das wirklich für andere beurteilen? Kann man das überhaupt, wenn andere sich nicht so fühlen, wie man es von ihnen erwartet? Was ist mit den stark zunehmenden Depressionen, kommt das vom Regen?? Oder den 20 Mio. (!) Armutsgrenzlern in Deutschland, oder den vielen AfD Wählern, oder den tausenden Europäern, darunter vielen deutschen, die sich dem IS anschließen, oder den millionen Trumpanhängern, geht es denen etwa gut und wissen die es nur nicht besser?? Vielleicht geht es denen ja zu gut, haha. Aber das kann man finden wie man will - es passiert! Wie niedrig ist wohl dann die Hemmschwelle für noch viel mehr Menschen, eine radikale Partei an die Spitze zu wählen? Oder folgender Selbstbetrug: Wir hatten noch nie so lange Frieden wie heute. Tja, mathematisch gesehen ist das schomal ganz schlecht - je länger ein Frieden dauert, desto höher ist doch die Wahrscheinlichkeit von Krieg. Nicht zu vergessen, dass Krieg heute auch noch so einfach ist. Mal ehrlich - jahrtausende lang brauchte man Jahre der Vorbereitung, es war eine Mammutaufgabe, tausende Männer zu organisieren, zu versammeln und über Jahre zu Fuß hunderte/ tausende Kilometer zu versorgen und zum Erobern durch die Welt zu schicken! Stell dir das mal vor! Koch du mal nur für zehn Personen, jeden Tag, ohne Supermarkt, ohne E-Herd... Oder das dritte Reich, zwar mit modernerer Technik, aber trotzdem habe ich nie verstanden, wie ein kleines Land mit vergleichsweise wenig Menschen so viele Länder erobern kann. Wie geht das? Keine Ahnung! Aber ich weiß: Es ist offensichtlich egal, wie unglaublich hoch der Aufwand ist und wie schlecht die Chancen stehen. Die Kriege hat es gegeben. Jeden einzelnen. Und ist der Mensch reifer geworden? Noch nicht mal das. Also wie groß ist wohl die Gefahr heute, wo es per Knopfdruck so einfach ist und wo dazu noch viel viel mehr Menschen als früher die Möglichkeit haben, Krieg zu führen? Macht über oder Macht für Menschen, das ist ein existenzieller Unterschied. Die Ursachen von Krieg sind seit Anbeginn der Menschheit bis heute die gleichen. Und sie werden es bis zum Ende der Menschheit auch bleiben. Machtgier gab es schon immer, und je größer die Gier, desto größer und stärker ist immer auch die Welle aus Verzweifelung, Wut und Hass. Das ist ein natürliches Gleichgewicht, das der Mensch mit noch mehr Macht niemals zu ändern vermag.

    Im Gegenteil. Heute ist die Welt von heftigsten gesellschaftlichen Krebswucherungen mit starkem Streufaktor betroffen. Besser bekannt als Ungerechtigkeit. Heilbar oder nicht, das ist sehr fraglich. Wenn ich mir dazu noch andere Zutaten unserer Weltenküche anschaue: Trump - dass so jemand überhaupt so weit kommen kann. Und wenn der Präsident wird! So schnell und so weit weg vom Kriegsgeschehen kann man dann gar nicht mehr sein, als dass ich eine Idee hätte, wohin ich auswandern sollte... Oder ein englischer Aussenminister, der die politische und soziale Kompetenz einer verrosteten Geflügelschere hat. Dazu der verrückte in Nordkorea, Kim Jong-un?, der eine 1+ in Menschenverachtung und Zerstörungswut bekommt. Oder Erdogan, der offensichtlich an unkontrolliertem und explosivem Burndown leidet. Um nur wenige der vielen Wahnsinnigen zu nennen. Mir scheint, es werden grad immer mehr ....

    Mal abgesehen also von der existenzbedrohenden Geld- und Machtgier vieler Menschen, mal abgesehen von den vielen Kriegen, die wir schon haben und hatten, und an die die meisten vorher so auch nicht geglaubt haben, da kann man mal sicher sein! Abgesehen auch von unserer ewigen Arroganz, welche Menschen sich mit wie wenig (Geld) gut zu fühlen haben. Und mal abgesehen von der erschreckenden Armut auf der Welt, die wir selber produzieren und exportieren - wenn man sich alles anschaut und zuschauen muss, dass auch noch zu viele gefühlt 5-jährige Jungs mit schweren emotionalen Defiziten enorme Führungsmacht haben - anstatt dass sie unter ihresgleichen in freundlichen Behandlungszentren von professionellen Therapeuten betreut werden - wie sicher kann man sich da fühlen und wie kontrollierbar ist das noch? Mein Zwischenfazit: Die Sicherheit ist keine, sie ist die Ruhe vor dem Sturm; der andernorts sowieso schon wütet. Mal schaun, wie heftig es bei uns wird und wie lange es dauert.

  SF, Mai-Juli 2016