Gleichberechtigung? Keine Zeit für Emanzipation

Wussten Sie, dass Erdogan Frauen das Lachen verbieten und Putin Gewalt in der Familie wieder erlauben will? Aber es gibt einen Hoffnungsschimmer. Nach dem Bericht gestern auf 3sat wissen wir: Eine Welt ohne Männer ist vielleicht schwer vorstellbar, aber es ist weder unmöglich noch ist es offensichtlich unnatürlich. 

Die Natur selbst hat es nicht nur so eingerichtet, dass nur Frauen sich fortpflanzen können, sondern sie hat höchstnatürlich dafür gesorgt, dass dassogar ohne die Spermien von Männern möglich ist! Menschliche Fortpflanzung ist tatsächlich allein durch weibliche Eizellen möglich, juchhuu! Dann werden zwar immer nur Mädchen geboren, aber die Natur wird wohl wissen warum. Vielleicht erklären sich so unnützes Patriarchat sowie Unterdrückung und Gewalt gegen Frauen - wahrscheinlich spüren Männer in den Tiefen ihrer Zellen, dass ihre Existenz von Frauen abhängt, und nicht umgekehrt.

      Eine Welt ohne Männer wäre zwar ohne Frage traurig, aber immer noch besser, als mit ihnen durch Krieg und Zerstörung unterzugehen, finden Sie nicht? Deshalb plädiere ich inständig an alle Männer, die keine patriarchischen oder kriegerischen Ambitionen hegen und an alle Frauen, sich aktiv für die einzig überlebensfähige Balance einzusetzen. Denn irgendwie hoffe ich immer noch, dass wir die Kurve kriegen. Allerdings - wenn ich mir die Welt so anschaue, ahne ich, dass der nächste grosse Krieg nicht mehr aufzuhalten ist. Aber dann, danach, sollten Männer definitiv erstmal nicht mehr an irgendwelchen Entscheidungsprozessen teilhaben. Diese unfassbare Gewalt, Ungerechtigkeit und Zerstörung muss irgendwann ein Ende haben! So viele Männer weltweit in Führungspositionen. Das ist, als würde man ständig versuchen, mit der halben Mannschaft in der 1. Bundesliga spielen zu wollen. Zur Klarstellung - ich schätze Männer und ich möchte auf ihre Gesellschaft (eigentlich) nicht verzichten. Aber erste Liga funktioniert eben nur, wenn man komplett ist. Es geht also um weitaus mehr, als um Gleichberechtigung. Es geht um Balance, die unbemerkt überlebenswichtig geworden ist und die möglicherweise nicht mehr auf ein Mal schaun warten kann. Keine Zeit mehr für Emanzipation. Die dramatischen Fakten und die beunruhigenden Aussichten weltweit machen weibliches aktives Mitwirken überlebensnotwendig. Denn das, was gemeinhin als Stärke von Männern angesehen wird - ihr Kampfgeist - ist in Verbindung mit der heutigen Technik und unkontrollierter Geld- und Machtsucht zur Zerstörungskraft mutiert. Schauen wir uns um, sehen wir die traurige Zwischenbilanz eines über Jahrtausende währenden Patriarchats. Mit dem falschen Spielzeug in der Hand kurz vor dem Kollaps. 

      Anstatt in humane, spirituelle und technische Hochebenen zu investieren, wurden die Menschen in der Regel von Männern! Jahrhundert für Jahrhundert von Krieg zu Krieg und heute sogar an den Rand des Abgrunds getrieben. Viele tausend Jahre überall und wieder und wieder die gleichen Abläufe: Aufbau, Gier, Krieg, Zerstörung, Überleben, Aufbau, Gier, Krieg, ... Niemand hat das wirklich gewollt, oder doch? Auf jeden Fall hat keiner diese Dynamik aufgehalten. Das könnte also ewig so weitergehen. Gott weiß das, wir brauchen Hilfe. Deshalb hat sie uns kürzlich erst die Industrialisierung geschenkt, und einen Zeithauch später das Internet. Was wir alle suchen, aber innerlich kaum mehr spüren, obwohl es da ist, das können wir nun zumindest schonmal äusserlich herstellen: Vernetzung. 

      Haben Sie sich noch nie gefragt, warum es nach der Erfindung des Rades ganze 6000 Jahre brauchte, bis die Industrialisierung kam? Schade nur, dass es dann +-100 Jahre bis zum ersten und weils so schön war nur 21 Jahre bis zum zweiten Weltkrieg brauchte. Die Menschheit hatte wahrlich viele Chancen, genutzt hat sie nur wenige davon. Zugegebenermaßen wurde uns Menschen die Gleichberechtigung nicht einfach gemacht, denn eins ist unbestritten: An körperlicher Kraft sind Männer uns überlegen. Wenn man Kraft als Überlegenheit sehen möchte... So hat vor 150 Jahren ein männlicher Holzfäller wahrscheinlich mehr geschafft und verdient als ein weiblicher. Viele Berufe waren von Kraft abhängig. Trotzdem hätte es anders laufen können. Ist es aber nicht. Deshalb kam das Knöpfchendrücken. Das können alle. Die Industrialisierung ist ein Geschenk, eine Art Joker, eine gute Zusatzkarte, und mit Geschenken ist es wie im wahren Leben: Man darf damit machen, was man möchte. Möchten wir uns zerstören? Ist es das, was wir mit diesem Geschenk machen wollen?

     Nach jedem Krieg wird aufgeräumt und die Menschen glauben, das Schlimmste überwunden zu haben und es nun besser zu wissen. Aber das stimmt nicht. Bereits mit dem ersten Tag nach jedem Krieg wird damit begonnen, auf den nächsten Krieg hinzuarbeiten. Das würde keiner wahrhaben wollen, denn alle sind so ungaublich erleichtert und dankbar, dass die scheinbar schlimmste Zeit vorbei ist. Und dann ist man ja auch noch intensiv mit aufräumen und aufbauen beschäftigt. Stück für Stück geht es voran und so merkt kaum jemand, dass die immergleichen Fundamente und Fassaden, die zu Krieg führen, ebenfalls wieder aufgebaut werden. Sie bekommen nur andere Gesichter und immer neue Namen. Die Stärke von körperlicher Kraft kennen wir jetzt zur Genüge. Sind wir bereit für eine weitere Kraft? Denn ich frage mich, ob uns das in die Wiege gelegt wurde, ob dieser gierige Drang genetisch bedingt ist, oder ob wir uns wirklich anders entscheiden können. Ich habe mich entschieden: Ja, das können wir. Wir haben eine Wahl. Wir haben sie nur noch nicht genutzt, wieder und wieder, viele tausend Jahre nicht. Das Risiko heute ist enorm, aber die Chance auch. Leid ist etwas, was der Mensch durch keinen Krieg der Welt je beenden kann. Ausser dem letzten.

      Hast du schonmal Emanzipation übersetzt? Das Wort kommt aus dem lateinischen und die Kurzform des Ursprungs lautet: Entlassung eines Sklaven in die Selbstbestimmtheit. Also liebe Ladies - wenn euch mal jemand fragt, ob ihr Emanzen seid, dann fragt euch und den anderen, wie es um den fragenden Menschen steht, ob er selbst emanzipiert ist. Für Männer ist das eine Zwickmühle.

      Die Stärke von Frauen ist ihr Beschützerinstinkt. Diese Kraft ist so stark, dass sie in ihrer Familie sogar all das beschützt, was gar nicht beschützenswert ist. In ihrer Co-Abhängigkeit verstärkt die weibliche Beschützerkraft den männlichen Kampfgeist. Und potenziert damit die zerstörerische Mutation. So sind Frauen Teil der Zerstörung. Wenn wir es zulassen. Aufhalten können wir das nur, indem wir uns aus der Co-Abhängigkeit befreien. Das kann niemand sonst für uns tun, nur wir selbst. Mit Unterstützung wär es allerdings leichter. Wenn wir diesen Schritt vollziehen, wird der Beschützerinstinkt zu der Ur-Kraft, für die sie gedacht und gemacht war. Das ist existenziell für unsere Welt. Der Schlüssel ist Balance, zum Wohle aller. Ladies & Gentlemen: Was ist Ihr Schlüssel? Worauf setzten Sie? 

*Auf die Balance, dass sie sich von alleine entwickeln und bis dahin schon alles gutgehen wird? 

*Auf die männliche Kraft des Kampfgeistes und dass Erkenntnis und Weisheit neben dieser Kraft von alleine ihren Platz finden werden?

*Oder auf die weibliche Kraft, die bisher im Verborgenen lag und von der kaum jemand weiß, welche Größe sie annimmt, wenn sie freigesetzt ist und sich verbündet? 

Was also planen wir, meine Damen, das Matriarchat? Nein, mitnichten. Wir wären nicht Frau, wenn wir das wollten, auch wenn es verlockend ist. Denn was die Leistung von Frauen angeht, war es nie eine Frage des Könnens.