Keine Woche mit Gleichberechtigung (2 Min)

Von kleinauf ist in meinem Leben keine Woche vergangen, in der mir nicht irgendetwas vorgeworfen, vorenthalten oder schwerer gemacht wurde, weil ich weiblich bin. Je besser, anspruchsvoller und selbstbestimmter ich wurde, desto schwerer wurde es. Beruflich wie privat. Männer haben sich alle Mühe gegeben, in meinem Leben eine echte Schwerbehinderung zu sein.

Schon als kleines Mädchen wurde ich dazu gewungen, schlechter Trecker zu fahren als mein älterer Bruder, mich nicht mit dem Rad in die Kurven zu legen, nicht jede Skipiste runterzubrettern, die sich sogar die großen Jungs nicht getraut haben, und beim alljährlichen Wiesenabfahrtsspiel weniger Apfelsinen einzusammeln, als die Jungs. Da ich mich geweigert habe, ungeschickt zu sein, hat die Erwachsenenjury mich regelmäßig aus dem Verkehr gezogen. Und später? Von unmoralischen Angeboten oder kläglichen Erpressungsversuchen ("...entweder Zusammenarbeit mit Beziehung oder Zusammenarbeit ist beendet...") über unerklärliche Heiratsanträge bis zum unschönen Alltags-Klassiker von Unternehmern, die (ähnlich wie auch heute noch viele Ehemänner) 100% Einsatz erwarten für vielleicht 50% des Honorares das Männer für die gleiche Leistung bekommen - war fast alles dabei. Viele Unternehmer, die nicht nur von mir erwartet haben, dass es mein Privatproblem sei, mich als (alleinerziehende) Mutter um mein Kind kümmern zu müssen - "...das dürfe sich nicht auf die Firma auswirken."  Die gleichen Unternehmer, die von ihren Frauen erwarten, dass sie nicht den Job, sondern ihre Kinder an die erste Stelle stellen. Dank einer grundgesetzignoranten Politik gibt es Rente natürlich nur, wie gnädigerweise der Mann für uns mitverdient. Dieses Ehearrangement war nix für mich. Aber ich wär schon gerne 10x schwanger geworden. Nur wohin mit den Kindern, ohne Mann, der sich um sie kümmert? 

An beruflichen Gelegenheiten zum Kindermachen (und daran gekoppelt Geldverdienen) hat es nicht gemangelt. So ist kaum ein Jahr vergangen ohne irgendwelche deutlichen Anspielungen, Anträge oder Angebote mit lukrativen Aufgaben und guter Honorierung, die gekoppelt waren an private Gefälligkeiten, auch ernstgemeinte Heiratsanträge. Erstaunlicherweise fast alles Anträge, ohne eine Liebesbeziehung gehabt zu haben. Wenn ich es nicht selber erlebt hätte, ich würd's nicht glauben. Der letzte Antrag, vor wenigen Jahren, war sogar in Sie-Form, halleluja. Na ja, diesmal war der Mann nicht nur sehr reich, sondern auch sehr alt. Über 80. Vollblutunternehmer, eine wilde Seele und spannende Persönlichkeit, wie manch anderer auch. Eigentlich mochte ich ihn. Leider war er extrem hartnäckig und uneinsichtig. Ich sagte ihm "Einer fragt und einer antwortet, aber eine Antwort muss bitte reichen." Hat aber nicht gereicht. Dann hab ich es eine Weile mit Witz probiert, z.B. so, er: "Frau Fritz, warum denn nicht?" ... Ich: "Sie sind mir zu jung."  Die Irritation hat mir ein paar Tage Ruhe verschafft. Das letzte, was ich mir von ihm angehört habe, war der beschwörende, ernsthafte und eindringliche Satz "Frau Fritz, wenn Sie sich um das körperliche Sorgen machen - bei mir ist alles in Ordnung und funktioniert noch bestens" ...

NOCH FRAGEN ?!
Falls Sie das lustig finden - ich hätt' da noch einige ebenbürtige Stories. Jedenfalls habe ich jedes unzweifelhafte Angebot abgelehnt. Jedes. Reich gemacht hat mich das nicht. Bereichert hat es mich trotzdem. Meine Freiheit ist nicht käuflich. Wenn ich mit einem Mann zusammen bin, dann aus Liebe oder aus Leidenschaft. 

Natürlich hab ich auch klasse, hochkarätige Männer kennengelernt, o ja. Ein Genuss, wenn auch ein seltener. Aber man verliebt sich eben nicht theoretisch, und gegenseitig schon gar nicht. Ergo musste ich mir mehrfach anhören, ich sei zu anspruchsvoll. Hallo? In der Liebe kann man doch gar nicht anspruchsvoll genug sein. Ich scheiß auf Wolke 7 genauso wie auf Wolke 4. Was bitteschön haben Achtung und Respekt auf Augenhöhe mit Wolken zu tun? 

Es bleibt die traurige Wahrheit: 

Viele Frauen haben 3x soviel ertragen wie Männer, doppelt soviel geleistet, und wurden nicht 1/2 so gut honoriert.

Nicht, dass mir das schon immer bewusst und klar gewesen wäre. Die Sprache der Erkenntnis ist die schwierigste, das gilt auch für mich. Hätt ich all das eher gewusst, wär ich früher laut geworden. Aber wir schreiben das Jahr 2017! Warum muss ich immer noch einen Kampf führen, den ich überhaupt nicht führen will? Warum kann ich nicht einfach das machen, was ich am besten kann? Nen guten Job machen (was mir auch immer wieder dokumentiert wurde).

Meine kleine Schadenfreude? Manch ein Unternehmer sagt mir heute noch, dass er merken würde, dass ich nicht mehr da bin. Schön! Nur geholfen hat das keinem so richtig, oder?!
Manchmal denke ich, ich muss wohl im letzten Leben ein Mann gewesen sein, ein sehr egoistischer, Frauen gegenüber selbstgerecht und überheblich, und das ist jetzt meine Strafe: Mein Drang nach weiblicher Selbstverwirklichung auf einem Weg, den (meist) Männer mit Kaugummi pflastern. Was macht eigentlich die Erkenntnis von Männern? Läuft?




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