Co-Abhängigkeit und Kriege 1, 2, 3. Oma und Opa waren Nazi-Mitläufer. Deine etwa nicht?

Kriege, Macht und Habgier gibt es, seit es Menschen gibt. Aber Weltkriege gibt es erst, seitdem es uns die Technik möglich macht, also seit der Industrialisierung. Warum einzelne Herrscher (heute Politiker und Wirtschafter genannt) Machtgier immer noch bis zur Zerstörung ausleben, scheint niemanden so richtig zu wundern, irgendwie kennt man es nicht anders. Warum aber millionen Menschen sich wieder und wieder an der Selbstzerstörung beteiligen, und sei es passiv durch zulassen?? Früher im Mittelalter scheint das verständlich, da waren die Menschen ungebildet und hatten wenig Möglichkeit, sich schlau zu machen. Aber heute? Seit der Industrialisierung können wir uns informieren, über Zeitung, Radio, Fernsehen und nun sogar über das Internet. Wir können lesen und schreiben und sagen, wir sind gebildet. Aber verstehen wir auch? Sind wir im Bilde?

Woran liegt es, wenn es zum Dritten Weltkrieg kommt?

Nach dem zweiten Weltkrieg haben sich kluge Menschen mit dem Phänomen beschäftigt, warum Hitler an die Macht kam und warum es zum und wozu es im Dritten Reich kam: Zum Schlimmsten. Schaut man sich die Dokumentationen an, versteht man. Trauma vom ersten Weltkrieg, dazu verletzter Nationalstolz des Deutschen Volkes durch die Drangsalierungen der Siegermächte nach dem Krieg, gepaart mit hoher Frustration durch die miese wirtschaftliche Lage - das war eine brisante Kombination. Es kam wie es kam. Soweit so schlecht.

Damit könnte man sich darauf ausruhen zu glauben, man verstünde die Vergangenheit. Leider erklärt es in keinster Weise das Phänomen, warum im und selbst nach dem Krieg die Menschen sich mit Hitler und dem Deutschen Reich verbunden fühlten. Das überrascht Sie, Sie glauben das nicht? Kein Wunder, es wurde ja auch immer so getan, als wäre das nicht so. Ich rede explizit von dem Volk und nicht von Führungspersonen der Nazis, die waren nämlich entgegen der Bevölkerung die ersten, die nach dem Krieg offiziell umschwenkten und mit neuer scheinheiliger Gesinnung ihre Karrieren anderweitig fortsetzten. Das deutsche Volk hingegen schwieg "lediglich", aber die Prägung und der Glaube daran blieb haltbar. Über diese bittere Tatsache wird kaum gesprochen, es ist eine unangehme Wahrheit. Wir haben uns voller Mitgefühl darauf eingegroovt, dass die Bevölkerung ja auch irgendwie nur Opfer war. Eine Diskussion auf Twitter über die #sogAfD spiegelt diesen grossen Irrtum gut wieder:

 

 Wer garantiert mir eigentlich, dass eine Partei, für die der Soldatentod meiner Urgroßväter, der Holocaust und ein Vernichtungskrieg ein "Fliegenschiss" waren, das Leben meiner Kinder etwas wert ist? Diese Gestalten dürfen niemals regieren. Die AfD gehört verboten.

 

@SusanneFritz_IO
Solange man 'einfach' in den Krieg zieht, wenn man geschickt wird, niemand. Ich weiß ja nicht, was dein Urgroßvater war, aber meine beiden Opas waren Nazis, so Zeitarbeiter- und MitläuferNazis. Ohne Mitläufer geht gar nichts. Die vielen machens möglich, nicht die wenigen

 


Wer ein bisschen Ahnung von der NS-Zeit hat, wie die Leute damals bereits in Kindertagen indoktriniert wurden und jeder der sich widersetzte ein Außenseiter war, der wird begreifen daas viele das damals nicht freiwillig taten, sondern weil es erwartet wurde.

 

@SusanneFritz_IO
das ist das. mitläufertum. heute genauso gefährlich wie eh und je. die menschen (wähler) dachten damals wie heute, sie wären aufgeklärt und wüssten was sie tun. wir brauchen DRINGEND eine andere bildungspolitik und eine kollektive ausbildung in zivilcourage und sozialer kompetenz.
 

Ein paar wenige zeigen die Richtung. Aber die Menge und vielen Mitläufer bestimmen die Richtung. Das gilt für JEDEN Krieg.

, darin müssen wir ausgebildet werden

 

@TRV_Mario

Und viele erst im grauen des Krieges vor der eigenen Türe dies realisiert haben. Es waren damit genauso Opfer wie die Soldatenkinder in Afrika. Keiner von uns war dabei und keiner kann daher beurteilen, wie wir reagiert hätten, damals.

 

@SusanneFritz_IO   Das ist ein tragischer Irrtum. Die meisten sind durch das Grauen des Krieges leider nicht aufgewacht. 

 

Die liebe Verwandschaft

1980 war ich auf Klassenreise in München, dort haben wir das KZ Dachau besucht. Ich war 13 jahre alt. Als erstes hatte unsere Klasse vor dem Doku-Kino gewartet, da kamen Leute raus, die haben geheult, wir haben darüber gekichert. Als wir wieder rauskamen, haben wir geheult. Rotz und Wasser. Das werde ich nie vergessen. Als ich zuhause meine Familie zum Dritten Reich befragen wollte, hat sie dicht gemacht, nur mein Opa (ein stiller, liebenswürdiger Mensch) hat noch viele Jahre danach gesagt "Der Jud war Schuld". Mehr nicht. Und da war mein Opa bei weitem nicht der einzige. Ich habe versucht, besonders als junger Mensch, mit vielen älteren Leuten darüber zu sprechen. In den 80ern! Sie hatten alle die gleichen Scheuklappen und Verdrängungsmechanismen. Hauptsache nicht Schuld sein. In meiner Familie - Eltern, Geschwister, Onkels, Tanten, Cousinen - gilt bis heute: Bloß nichts hinterfragen. 2018. Was ich herausgefunden habe, ist unbequem, eine stille, aber chronische Wahrheit. Der sollten wir uns stellen. 

Ich pscke meinen Koffer, und nehme mit...

Zerstörtes musste aufgebaut werden, viele mussten sich eine neue Heimat suchen und sogar flüchten. Wie das war? Es gab keine Autos, geschweige denn Umzugswagen. Einen Großteil der Flucht musste man zu Fuss zurücklegen, zumindest bis zum nächsten Zug, und hoffen, dass die Gleise nicht zerstört waren. Mein Opa lag bis lange nach Kriegsende weit entfernt in einem deutschen Lazarett, wo man ihn im Keller zu den anderen zum Sterben abgelegt hatte. Granatsplitter nahe am Herzen, man glaubte nicht, dass er es schaffen würde. Aber er schaffte es, auch wenn es lange dauerte. Meine Oma hatte drei Kleinkinder von 8, 5 und 3 Jahren, mit denen sie flüchten musste. Alle Wertsachen, die man nicht mitnehmen konnte, wurden im Garten vergraben, das war üblich, denn man wollte ja wieder zurückkommen. Soviel wie möglich wurde am Leib getragen. Es war Frühjahr 1947(!), alle hatten vier- bis fünf Lagen Klamotten an, alles was man tragen konnte, trug man auf oder unter den Armen, inklusive der Kinder. Die älteste, meine Tante, 8 Jahre, hatte noch Federbetten auf den Rücken geschnallt bekommen - sie fiel alle Nase lang nach hinten um.

Nun rate mal, was trotz allem von vielen Menschen mit auf die Flucht genommen wurde? 'Mein Kampf'! Jawoll, du hast richtig gelesen. Stell es dir vor: Du hast alles gewaltsam verloren, Haus, Hof und Familie, möglicherweise Mord, Raub und Vergewaltigung erlebt, Hitler sei dank - und dann nimmst du dieses schwere Buch mit auf deine beschwerliche Flucht?? Offensichtlich ja. Wer nicht flüchten musste, hat das Buch übrigens auch nicht gleich weggeworfen! Und trotzdem würde ich behaupten, dass meine Grosseltern keine aktiven Nazis waren. Sie waren wie die meisten: Passive Mitläufernazis, infiziert vom Mitläufervirus.

Was ist das für ein Virus? Wenn schlimmste Gewalt und ein grausamer Krieg, bei dem man fast alle und alles verloren hat, es nicht schaffen, diese kranke Prägung aus Kopf und Herz zu bekommen, wie soll es dann eine Nachkriegszeit mit Volksmusik geschafft haben? Das betrifft stellvertretend übrigens die meisten Ideologien und Kriege. 

Was nach dem Holocaust falsch gelaufen ist, ist dass nicht dort drüber gesprochen wurde, wo es am wichstigsten war: In der Familie. Dort wollte und will niemand etwas davon wissen. Wer will eine grausame Zukunft verhindern, wenn das Thema dort totgeschwiegen wird? Frag mal Oma oder Opa wie das so war als Nazi... Das macht niemand! In der Familie spricht man nicht darüber, über seine eigene Familie. Schläfer-Hakenkreuze. KuKluxKlan, IS, Religionszwänge, Rassismus, Sexismus, Alkoholismus & Co - alles die gleichen artverwandten Missbrauchs- und Abhängigkeitsfallen.

Co-Abhängigkeit

Die stärksten Ursachen für die schlimmsten Entwicklungen sind nicht die Umstände, sondern es ist die kollektive Co-Abhängigkeit von Machtmissbrauch. Ein Phänomen, von dem die meisten in Verbindung mit Alkoholismus gehört haben dürften. Co-Abhängigkeit betrifft aber bei weitem nicht nur Alkohol, sondern ist eine vielfältige Geissel von milliarden Menschen. Wahrscheinlich ist es aktuell unsere grösste menschliche Entwicklungshürde überhaupt. Und wenn ich mir Technik und Möglichkeiten anschaue, ist es möglicherweise auch unsere dringlichste.

Woher weiss man, ob man co-abhängig ist? Im kleinen wie im grossen: Wenn du dich schuldig fühlst, bei jedem guten Schritt, den du zu gehen versuchst, aber immer wieder in alte Muster zurückfällst. So, wie ein co-abhängiger NichtTrinker den abhängigen Trinker irgendwie immer wieder verteidigt und den Alkohol verharmlost, immer wieder hofft und glaubt, so hofft und glaubt die Bevölkerung und wählt trotz allem immer wieder die gleichen Vertreter der Dramen, die Parteien, die den geschützten Rahmen bilden für die hardcore Abhängigen von Geld- und Machtsucht: Industrielle. 
Mein anderer Opa, der heute, 2018, noch lebt, meine Eltern, meine Tanten und Onkels und alle und deren Bekannten und meine Bekannten aus meiner Generation und der nächsten, und die Verwandten und Bekannten von euch und unseren Nachbarn und von vielen die wir nicht kennen: Sie meckern über die Politik, aber erwägen sie auch nur, wen anderes zu wählen, fühlen sie sich schuldig. Und wer doch mal eine andere Partei wählt, macht trotzdem das, was er schon immer getan hat: Devot sein und mitlaufen. Schlimmstenfalls ist man so frustriert, dass man sich der gleihen Scheisse wieder zuwendet. Das Trump-Symptom, es ist das gleiche Prinzip: Die Abgehängten glauben gar nicht, dass sich wirklich noch irgendwer um sie kümmert, aber dann wenigstens wen wählen, wo man den ganzen Frust in Nationalfrust packen kann. #greatagain und so, dann wenigstens da dabei sein, das aber richtig.
Nie gelernt, gut für sich zu sorgen und beizeiten Nein zu sagen. Sich gar aktiv gegen Gewaltpolitik und Wirtschaftsbetrug auflehnen, öffentlich äussern und z.B. einen betrügenden Unternehmer laut beim Namen nennen? Um Gottes Willen! SmallTalk-Meckern ja, aber mehr ist nicht drin. O-Ton meiner Tante: Regiert werden müssen wir. 

Es sind nicht die Wenigen, die Geschichte schreiben, sondern die Vielen, die sie möglich machen.

Deshalb steht kein Gesetz der Welt an oberster Stelle, sondern selbstbestimmtes Handeln, über jedem Gesetz! Verantwortung macht Spaß. Die wenigsten wissen das wirklich. Und den meisten fehlt im realen Leben der Mut dazu. Warum ist das so und wie können wir das ändern?
Co-Abhängigkeit ist ein gesellschaftliches Phänomen, mit dem wir uns dringend beschäftigen sollten. In allen Gesellschaften und Kulturen, millionen und milliarden Menschen, die co-abhängig sind. Manche sind auch beides, abhängig und co-abhängig. 

Ob vor und nach einem dritten Weltkrieg

 

Bildung 4.0 könnte helfen. 

 

 

Und ein neues Wahlsystem.

 

Wahl(omat) andersherum:

  1. Es werden Inhalte zur Wahl aufgestellt.
  2. Nach der Aufstellung und vor der Wahl machen die Politiker den Wahlomaten.
  3. Erst dann kommt die Wahl, die Bevölkerung wählt die Inhalte.
  4. Politiker mit den meisten Überschneidungen vertreten für 4 Jahre diese Inhalte. Die anderen bekommen anteilsmäßige Sitze.

Ergebnis ist eine parteienunabhängige, inhaltsabhängige Zusammenarbeit der Politiker.