Ein Trump kann überall passieren

Für Geld kann man fast alles kaufen. Aber eben nur fast. Loyalität hört in dem Moment auf Loyalität zu sein, wo sie käuflich ist. Liebe auch. Ein soziales Gewissen kann man ebenfalls nicht kaufen, auch nicht wenn Bundestagswahlen sind. Man hat es oder man hat es nicht. Die Werbung für ein soziales Gewissen, die kann man schon kaufen. Wie MakeUp. Am Tagesende werden wir sehen, was stärker ist: Gekauftes oder Echtes. So mag es erschreckend sein, ...

... wieviele Anhänger Erdogan hat, von wie vielen Menschen Putin gefeiert wird, wie viele in Europa rechts wählen, oder wie viele Unwissende einen Verrückten zum Präsidenten gemacht haben. Aber überraschend, das ist es nicht. Denn ganz egal ob Christen oder Muslime, ob Demokraten, Kommunisten, Sozialisten oder sonstwer – die Sucht nach Geld hat am Tagesende noch jede Religion und jede Staatsform zerfressen und das Schlechteste und Grausamste im Menschen sichtbar gemacht. Früher war das nicht so schlimm, da konnte man nicht so viel kaputt machen. Aber heute, mit unserer Technik? Bei all dem spielt die Sucht nach Geld und Macht eine hauptursächliche Rolle. Solange wir diese Krankheit nicht anerkennen, werden wir weltweit weiter mit heftigsten Symptomen zugewuchert werden. Ein Trump kann überall passieren.

Selbst, wenn es sich irgendwann ausgetrumpt hat – und dann? Kommt doch nur der nächste. Es ist zwar kaum vorstellbar, dass Trump ganze 8 Jahre Präsident sein wird, und sei es wegen eines Bürgerkrieges, aber je bitterer es wird (und es wird bitter, nicht nur in und aus den USA), desto mehr sollten wir mal innehalten und uns kollektiv fragen, wie es dazu kommen konnte. Ich habe meine persönliche Antwort gefunden. Es ist schlicht und einfach diese verheerende Sucht. Vielleicht ist ein Trump gut dafür, um uns Menschen das schlimmste aller Defizite aufzuzeigen und uns sogar vor dem chronischen Verfall zu retten. Wir hätten diese Sucht schon längst erkennen und ernsthaft fokussieren können, aber offensichtlich ist die Not noch nicht groß genug. In der Komfortzone ist man eben gern bequem und erhaben. Obwohl schon der berühmte kanadische Kriminalpsychologe Robert D. Hare öffentlich kundtut (siehe Spiegel u.a.): „Attraktive, intelligente gebildete Psychopathen, die in einer wohlhabenden Familie groß geworden sind, rauben keine Bank aus, sie werden Bankenvorstand." Oder Manfred Kets de Vries, Psychoanalytiker und Insead-Professor, der sich seit Jahren mit der Frage beschäftigt, was mit Menschen passiert, wenn sie Macht in die Hände bekommen. Sein schlichtes Fazit: "Oft nicht viel Gutes". Meist seien es Männer, narzisstisch eskalierte weibliche CEOs sind eher selten.

Ja, das Patriarchat - auch so eine ewige Baustelle... Seit 1000en Jahren wieder und wieder auf Zerstörung ausgerichtet anstatt auf Aufbau. Aber es wird wohl noch eine Weile dauern, bis wir verstehen, dass es um mehr als die Gleichberechtigung der Frau geht, nämlich um eine für uns und unsere Welt überlebenswichtige Balance. Ohne Frauen werden wir die nie erreichen. Ob genug Menschen (m/w) soviel Verstand noch rechtzeitig aufbringen, da hab ich meine Zweifel.

Doch ob Mann oder Frau - jeder möge sich im Stillen einmal selber fragen, welchen Respekt Menschen mit Geld (und Macht oder Prominenz) bei einem auslösen und welchen Respekt im Alltag die Menschen ohne Geld bekommen. Ich spreche von diesem untertänigen devoten hofierenden Respekt, wissen Sie? Da muss anscheinend erst ein Trump kommen, um uns ungewollt auf unsere grössten Schwächen, Irrtümer und schlimmsten Gefahren aufmerksam zu machen. Trump als Chance? Warum nicht. Wir sollten immer das Beste aus allem machen. Nutzen wir doch die Gelegenheit. Hoffnung habe ich zwar wenig, aber einen starken Glauben. Naiv wie ich bin, glaube ich immer noch an eine heile und vor allen Dingen hochentwickelte Welt. Um das zu erreichen, ist es manchmal besser, sich zurückzuziehen – konkret für Deutschland und Europa meine ich damit, keine Zusammenarbeit mit Wahnsinnigen, weder im Osten noch im Westen und schon gar nicht des Geldes wegen. Das wär ja doppelt dumm. Was mal wieder nicht ungewöhnlich wäre. Dabei könnte Ungewöhnliches so nützlich sein. So bleibt mir nur, verhaltenen Rückzug anzuregen, gemeinsam in sich zu gehen und zu beraten, bestenfalls nicht aufzurüsten – und sich auf neue Sichtweisen, Strategien und Visionen einzulassen. Denn shit happens, peace does not.