Europa in der Zwickmühle. Die Türkei will Krieg und Erdogan wird alles dafür tun, um ihn auch zu bekommen

12. Mrz 2017

Die Türkei hat Europa dort, wo sie es haben wollte: In der Zwickmühle. Doch das ist nur der Anfang, Erdogans Ziel ist ein viel grösseres. Krieg und grössenwahnsinnige Macht. Hat ja auch nie einer behauptet, dass Grössenwahn ausgestorben ist. So wie die Pest. 

Weit gefehlt also, wer da glaubt, Erdogan sei ernsthaft an Wahlkampf in Europa interessiert. An Kampf ja, aber nicht an Wahlkampf. Das hat er gar nicht nötig. Die Auftritte sind lediglich ein perfides Mittel, um etwas ganz anderes zu erreichen: Man führe wohlüberlegt im europäischen Wahljahr eigenen agressiven türkischen Wahlkampf im Ausland, hoffend, dass das den Ausländerhass in der EU schürt, was den rechten Parteien im Wahljahr viele Stimmen bescheren soll. Das marodiert Europa. Und wenn die EU dann einen Rechtsruck erfährt (erfahren würde), hätte Erdogan allen scheinbaren Grund, gegen eben diese Ausländerfeindlichkeit Krieg zu führen. Und damit gegen die EU. Eine perfide Form der Machtspielerei, politisches Gaslighting. Der Mann muss weder in der Türkei noch in Europa Anhänger sammeln, denn er hat sie bereits. Was gestört genug ist. Aber hätte er sie nicht, würde er sich auch nicht drum scheren. Jemand, der bereits an der (sicheren) Macht sitzt und trotzdem vor einem selbst initiierten Putsch nicht zurückschreckt, der hat Grosses vor, ohne Rücksicht auf Verluste. Menschen wie Erdogan hassen und verachten unsere westliche freiheitliche Kultur zutiefst, die Voraussetzungen zum EU-Beitritt empfindet er als Gängelei und Demütigung und so hat Erdogan sich zusammen mit seinen (mächtigen) Freunden einiges ausgedacht, was zwar nicht klug, aber doch leider sehr schlau ist. Alles basierend auf mehr Schein als Sein.

Der erste Streich: Man kaufe Waffen in dem Land (Deutschland), das man später bekämpfen will und versuche der Einfachheit halber, sich die Aufrüstung unter dem Deckmantel des EU-Beitritts und eines Flüchtlingsabkommens  auch gleich von der EU finanzieren zu lassen, also von dem Bündnis, das man mit den Waffen später ebenfalls bekämpfen will.

Der zweite Streich: Der Putsch. Die westliche Welt nickt höflich und zeigt marionettenhafte Akzeptanz. Somit hat der Scheinputsch sowohl in- als auch extern planmäßig funktioniert. Prima, dann kanns ja weitergehen.

Der dritte Streich: Ein Scheinreferendum dem ein agressiver Wahlkampf in Europa vorausgehen soll, also direkt im Herz der Gegner. So kann er Unruhe stiften und die Gegner schonmal schwächen. Wenn die Wahlkämpfe stattfinden dürf(t)en, verschafft das Erdogan zudem Genugtuung. Und wenn nicht, verschafft es ihm eine scheinbare Rechtfertigung für das, was dann folgt. Obwohl es so oder so folgen würde, aber egal, den Schein zu wahren macht ja Spass. Auf jeden Fall kann er massiv in den von ihm verhassten Ländern Zwietracht säen. Für nichts anderes missbraucht er seine in Europa lebenden türkischen Anhänger. Sie sind Bauernopfer. Denn eigentlich verachtet er diese Landsleute, die lieber in Deutschland, Frankreich oder Holland leben. Doch er weiß - es gibt immer noch viele türkische Männer (und die ein oder andere Frau sicher auch), die in Deutschland nie wirklich angekommen sind, die Demokratie und tendenzielle Gleichberechtigung jahrelang erdulden mussten und nie verstanden haben, was das wirklich bedeutet bzw. es auch gar nicht verstehen wollten. Erdogan kennt diese Menschen und ihre Emotionen, er weiß um ihr partriarchisches hitziges türkisches Gemüt und wie leicht sie zu beeinflussen und zu entfachen sind. Das nutzt er (aus). Und natürlich rechnet Erdogan mit europäischer Gegenwehr, die will er sogar! Er hat das bewusst provoziert und einkalkuliert, die Gegenwehr ist Teil seines Plans, seine (scheinbare) Verärgerung darüber ist ebenfalls Teil seines Plans. 

Der vierte Streich? Nach dem Scheinreferendum die Todesstrafe wieder einführen. Erstes bekanntes Justizopfer könnte der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel werden.

Und dann? Besser wird es jedenfalls nicht und auch nach der türkischen Volksabstimmung im April, die eine Farce sein wird (als ob Erdogan demokratisch abstimmen lassen würde...), wird alles andere als Frieden einkehren, so viel ist sicher. Wer es noch nicht verstanden hat: Erdogan interessieren irgendwelche wirtschaftlichen Verbindungen (schon lange) nicht mehr. Jedenfalls nicht zur westlichen Welt. Die Volksabstimmung ist nur ein weiterer Schritt hin zu totalitärer Macht und einem grössenwahnsinnigen Ziel.

Der letzte Streich: Krieg. Nicht zum Schein.

Ich möchte es mal so sagen: In gewisser Hinsicht haben die Erdogans, Kim Jong-uns, Trumps & Co's dieser Welt alles, was das kranke Herz begehrt. Sie sind reich und beherrschen ein Land. Aber irgendwann reicht das eben nicht mehr, Gier und Gewohnheitsfaktor kennen keine Grenzen. Wenn man im eigenen Land machen kann was man will, wo ist denn da noch die Herausforderung? Den Herren ist langweilig, sie wollen mehr. Da kommen ein paar demokratische Hassländer grade recht, das war nur eine Frage der Zeit. Und wenn einer den Krieg erstmal anfängt, dann werden die anderen vom Kuchen etwas abhaben wollen. Denken Sie an meine Worte.

Man darf nicht von sich ausgehen und glauben, dass wir den schlimmsten Krieg bereits hinter uns haben. Leider nicht. Die kranken Mächtigen dieser Welt wollen alles andere als Frieden, und leider gibt es viele von ihnen. Ein Blick auf Syrien sollte reichen, um sich daran zu erinnern, dass es Diktatoren scheißegal ist, wie zerstört ein Land ist. Mal ehrlich - worum kämpft man in diesem zerrütteten Land noch? Aber solche gestörten Männer kämpfen bzw. lassen kämpfen bis zum sprichwörtlich letzten Mann, nur um der Macht willen.

In einer gesunden Welt wären solche Männer niemals in irgendwelchen Führungspositionen, sondern würden in Kliniken betreut werden - dort würde man schauen, ob ihre Kindheitstraumata und/oder ihre Gendefekte therapierbar sind. Und in einer gesunden Welt würden wir auch niemals mit solchen furchtbar kranken Menschen (ver-)handeln. Niemand würde auf die Idee kommen und in eine geschlossene Anstalt gehen, um dort mit gefährlichen und psychisch schwerstkranken zusammenzuarbeiten, geschweige denn mit ihnen Länder zu regieren. Und warum tun wir es trotzdem? Warum spielen wir mit, Blindekuh?

1.) Weil Erdogan & Co. nicht in einer Klinik sind? Und warum sind sie dort nicht?

2.) Wegen der Wirtschaft (wer ist überhaupt die Wirtschaft?), also wegen des Geldes? Wieder und wieder wegen des Geldes? Weil wir nicht nur feige, sondern vor allen Dingen gierig sind.

3.) Weil wir nicht in einer gesunden Welt leben. Wenn irgendetwas sicher ist, dann das.

So gibt es in Europa nicht nur Türken, die Erdogan gut finden. Nein - so manche deutschen AfD-ler beneiden Erdogan um seine Macht. Das hätten sie auch gerne. Ob oder wieviel näher sie diesem Ziel kommen, wissen wir nach dem 24. September. Aber wo auch immer - an der Menge der Menschen, die gestörte Machtsüchtige wählen und feiern, mögen wir das Ausmaß des Nachschubs an krankhaften Persönlichkeiten erahnen.

Und die Türkei & Friends? Was tun, wenn nun die Zeit gekommen ist und jemand bar jedweder Vernunft Krieg will, um jeden Preis? Unwahrscheinlich, dass das aufzuhalten ist. Aber wenn man die Augen davor verschließt und immer drei Schritte hinterherhinkt, dann ist es unmöglich. So war meine Prognose im Frühjahr 2016 noch, dass wir in den nächsten fünf Jahren Krieg haben werden. Verkürze auf drei, und das auch nur wegen des Optimismus'. Was meinen Sie?

reloaded 15. Apr 2017: Die Wahlprognose

Erdogan wird am Sonntag bekommen, was er will. Nur wie das Referendum wirklich ausgegangen ist, das werden wir nie erfahren. Die Kisten mit den ausgefüllten Wahlzetteln stehen doch schon zum Austausch bereit. Der Neugier halber frag ich mich, was er verkünden wird: Knapp gewonnen oder klar gewonnen? Ich glaub recht klar gewonnen. Immerhin ist der Mann ein Schwerverbrecher, das Wort Demokratie zu missbrauchen, macht es auch nicht besser. Leute mal ehrlich - wenn einer auf einem Esel angeritten kommt und sagt, das sei ein Elefant, das glaubt doch auch keiner, oder?! So frag ich mich ab und an, was eigentlich mit all den Türken los ist, die in Deutschland leben und Anhänger von Erdogan sind? Wenn die Deutschland nach 20, 30 oder 40 Jahren immer noch nicht als ihr Zuhause betrachten, sondern die Türkei, und wenn die offensichtlich sehr vermisst haben, was Erdogan da grad produziert - warum gehen sie dann nicht nach Hause zurück? Da sind sie doch viel näher dran an der Brutalität, für die sie grad so glühen. Also: auf auf. 

Hör ich da jetzt Mecker? Dann beruhigt euch wieder. Ich bin für Integration und das eben war lediglich zur Inspiration! Denn ich weiß sehr wohl, dass Blindheit und kriegerische Ambitionen kein türkisches Phänomen sind, sondern ein menschliches. Und wer tatsächlich in die Türkei zurück gehen würde, könnte kaum all unsere AfDler mitnehmen, oder? So glaube ich zum Beispiel, dass es keine Obergrenze von Flüchtlingen braucht, weil wir es uns finanziell nicht leisten können. Aber seitdem ich gesehen habe, wie viele Deutsch-Türken sich sogar nach Jahrzehnten Aufenthalt in einer der Hochburgen der Demokratie, Deutschland - wie sich hier so erschreckend viele mit wehenden Fahnen nazireichseuphorisch gradezu begeistern für den Diktaturvertreter Erdogan - das schockiert mich dann doch. Und seitdem erwische ich mich bei der Frage: Sind wir dem als Gesellschaft menschlich gewachsen? Oder sollten wir erstmal die Türen zu machen, uns innerlich stabilisieren (siehe Crosslearning) und dann für alle öffnen? Unsinn, ich weiß, denn es wär ja zu schön um wahr zu sein, dass ein Land hinter geschlossenen Türen gesundet. Aber der Impuls ist da. Nun denn, bis wir Wege zu nachhaltigem Frieden finden, wird der Krieg längst begonnen haben. Gibt es überhaupt einen Weg ohne Krieg?