Gentechnik - que sera

Abgesehen davon, dass man Gentechnik sowieso nicht aufhalten kann, warum muss diese Technik etwas schlechtes sein? Die Diskussion darüber kommt mir vor wie das Thema Obduktion im Mittelalter, das war ja auch sehr lange verboten und verteufelt. Heute wissen wir, dass man keine bösen Geister weckt und nicht in die Hölle kommt, wenn man einen Körper öffnet. Damals wusste man es nicht. Aber mit der Gentechnik und den bösen Geistern kann das ja schon ganz anders aussehen, oder?

Die Geister, die ich rief, ... ja das stimmt. Doch was ist mit den guten Geistern? Gentechnik kann so ein Segen sein - sollten wir uns dieser Möglichkeiten berauben. Z.B. Crispr cas! Wollen wir wirklich darauf verzichten, milliarden Menschen ein besseres Leben zu ermöglichen, ohne Hunger?? Aus Angst vor uns selbst?

Wir sind Teil der Natur, alles an uns - auch unsere Handlungen. Wir sind auch nicht die einzigen Geschöpfe, die Einfluss nehmen und verändern. Neophyten und Neozoen: Auch Tiere und Pflanzen verändern unser aller Umgebung, nicht nur wenn man sie verpflanzt, viele Arten erobern eigenständig oder aus noch unbekannten Gründen neue Gebiete. Die Kartoffel in Europa findet man jedenfalls klasse, den Mais einer so und einer so, auf Zecken würden wahrscheinlich alle gerne verzichten, über die Invasion des Waschbären streitet man noch, über Kornblume und Esskastanie nicht. Oder der Borkenkäfer, von dem die meisten immer noch glauben, er sei nur ein Schädling, was gar nicht stimmt! Wenn man ihn mutig seiner Natur folgen lässt, ist der Borkenkäfer fähig, aus einem anfälligen Wirtschaftswald einen kraftvollen Mischwald zu machen (siehe den Teil Der Borkenkäfer im Nationalpark Bayerischer Wald). Vielleicht ist Gentechnik ein Borkenkäfer. Aber was auch immer die Natur von Tieren und Pflanzen sein mag -  unsere Natur IST Forschung und Entwicklung. Das ist unser Sein, das zu verleugnen ist Selbstverleugnung.

Ob wir am Tagesende wirklich die Parasiten sind, die den Wirt/unsere Erde zerstören - was kaum passieren wird, denn vorher zerstört der Wirt eher uns - oder ob wir ein hochentwickeltes kollektives Bewusstsein entwickeln - who knows. Nicht die großen Erfindungen bergen das größte Risiko, es ist nicht die Technik, die gefährlich ist. Es bleibt der Mensch, was er draus macht. An uns sollten wir arbeiten. Denn wenn wir das nicht hinbekommen, dann ist es für uns letztendlich (im wahrsten Sinne des Wortes) egal, ob oder was wir verbieten oder erlauben. Verbote sind immer nur wie ein - vielleicht für eine Weile hilfreiches- Pflaster, deren Wunde darunter nur nie heilt, sondern wuchert. Aber so wie wir Dinge erschaffen, können wir uns auch selbst erschaffen. Ohne Pflaster.

Und falls wir mit Gentechnik doch Monster zum Leben erwecken? Monstertiere, Monsterpflanzen und Monstermenschen, gar Mutanten...? Why not? Wie Lynn Hershman über AI sagt "Ich habe das Gefühl, dass die kürzlich geformten digitalen Identitäten autonom u. unberechenbar sein werden, mit eigenem Verstand, genau wie die besten von uns körperlichen Wesen. Unsere Aufgabe ist es, mit ihnen Freundschaft zu schließen."  Vielleicht klappt das ja nicht, mit der Freundschaft, weil doch wir selbst es sind, die KI/AI den Spirit einhauchen, und dieser Spirit möglicherweise schon deshalb zu kriegerisch und ebenso habgierig ist. Vielleicht werden wir noch sehr froh sein über Mutanten... Wie die das dann finden? Keine Ahnung. Wir werden sehn. Oder auch nicht. Weil wir vielleicht morgen schon  die Neanderthaler von heute sind.

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