Kauf nix, es reicht

 

Wir schreiben das Jahr 2017: Gießener Ärztin wird verurteilt* wie im finstersten Mittelalter und über 50% der deutschen Bevölkerung ist immer noch aktiv benachteiligt. Was tun? Nichts, aber das richtig! JEDEN DONNERSTAG NICHTS KAUFEN. Keine Klamotten, keine Lebensmittel, kein Hölzchen und kein Stöckchen, nicht zur Bank, nicht zum Bäcker, nicht zum Friseur, nicht online und nicht offline. Jeden Donnerstag - so lange bis Art. 3 GG endlich zum Leben erweckt ist.

Unbeschreiblich weiblich. Männer sollen auch mitmachen. Für all das, was uns schon so lange zusteht! 

  • Artikel 3 Grundgesetz zum Leben erwecken
  • 50% Frauenquote in Entscheidungspositionen (jede Sekretärin könnte den Job ihres Chefs machen!). Wer 50% unangemessen findet, na gut, dann nehmen wir eben 70%.
  • Anrechnung von 10 Jahren Kindererziehungszeiten, pauschal rückwirkend für alle Betroffenen (Mindest-Wiedergutmachung) 
  • Einstiegs-Kindergeld bei 500€ pro Kind
  • Sofort höhere Renten für all unsere älteren Leidensfreundinnen
  • und noch so manches mehr. Wenn wir das durchhaben, dürften sich kaum noch Männer trauen, Frauen zu verprügeln.

Kau nix, es reicht! Darf direkt diesen Donnerstag losgehen.

Dann können wir schon nächstes Jahr davon profitieren.

 

On top können wir zusammen mit change.org eine FRÜHJAHRS-DEMO in Gießen organisieren, wo wir uns anläßlich des Verfahrens vor dem Landgericht treffen, wenn das Verfahren gegen die Gießener Ärztin weitergeht. Große FlüsterDemo fänd ich cool. 1/4 Stunde alles total leise, dann einen mega Song aus mega Lautsprechern mitfeiern, dann wieder ne 1/4 Stunde Ruhe, usw. Schonmal gemacht? Geil, oder?


* Anlaß: Auskunfts- und Informationsrecht für Frauen zum Schwangerschaftsabbruch Am 24. Nov 2017(!) wurde eine Gießener Ärztin, die Patentinnen unprätentiös über Möglichkeiten, Folgen und Kosten eines Abbruchs bei ungewollten Schwangerschaften informiert, dafür vom Gericht verurteilt. Jetzt geht es in die nächste Instanz. Bitte unterschreibt die Petition auf change.org und bitte leitet die Petition auf allen möglichen Kanälen weiter. Das ist sooo wichtig für uns, denn es geht um viel mehr als um dieses Urteil.

Eine ungewollte Schwangerschaft ist was es ist. Schwer genug! Keine Frau trifft eine Entscheidung leichtfertig, egal, wofür sie sich entscheidet, denn die Alternative ist in dem Moment immer eine ungewollte. Kein Mann, keine Frau und kein Gesetz hat sich über die Entscheidung und über das vollumfängliche Informationsrecht einer Frau zu stellen. Verhängt wurde das Urteil von einer Richterin, mit der Begründung, dass die Ärztin auf ihrer Website Preisbeispiele genannt hat, das empfand die Richterin als Werbung. Sie wolle auch nicht, dass in der Öffentlichkeit über dieses Thema gesprochen würde, als sei es normal. Gott, was muss die Frau verklemmt sein! Wenn öffentlich und eben doch normal mit allen notwendigen Informationen umgegangen würde, sollte das die Bevölkerung sensibilisieren, ungewollte Schwangerschaftem dürften zurückgehen. Nennt sich Aufklärung. Vorzugsweise bei Tageslicht.

 

Ob Richterspruch, Gesetz oder vom lieben Gott höchstpersönlich angeordnet: Es gibt menschgemachte Regeln, die schlicht keine Gültigkeit haben dürfen und die man sicher nicht befolgen sollte, nur weil es jemand Gesetz genannt hat. Mit eigenverantwortlichem Handeln hätte es das Dritte Reich nicht gegen. Stichwort Zivilcourage und Verantwortungsbewusstsein. Die höchste aller Instanzen für seine Handlungen ist man selber.

 

Wir haben in Deutschland über 12% Schwangerschaftsabbrüche, ggfs. auch mehr. Die Kosten für einen Abbruch liegen je nach Umständen und Verfahren zwischen 300 und 800€. Männer beteiligen sich bis heute selten daran. Oft die gleichen Männer, die auch ungerne Unterhalt zahlen. Ein Kind zu bekommen, kostet sechsstellig und ist dementsprechend deutlich teurer, als eine Abtreibung. Ich habe aber noch niemals eine Frau sagen hören "Och, nur 800€? Na dann treib ich doch ab!" Die Herausforderung ein Kind zu erziehen und dazu noch die schlechten wirtschaftlichen Aussichten sind sicherlich Szenarien, vor denen manche Frau schier verzweifelt. Aber sehr oft ist es doch das Wissen um die fehlende Bereitschaft und Teilnahme der Väter an der Verantwortung für ein Kind. Eine jede Frau spürt sehr genau, wie immens die Aufgabe ist. Das alleine schaffen zu müssen, ist immer noch eines der größten Schreckensgespenster.

 


Soviel sei noch gesagt:

Dieser Kampf macht keine Freude ! So empfinden es sicher die meisten Frauen. Es ist bitter, wenn wir keine andere Wahl haben.