Minijob - Honorar oder Ausbeutung? (5 Min)

Minijobber haben grds. die gleichen Rechte wie alle anderen Mitarbeiter auch. Sie haben Anspruch auf bezahlten Urlaub und auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Doch in der Praxis verweigern viele Arbeitgeber den Minijobbern diese Rechte, so manch einer bekommt nur Geld, wenn er gearbeitet hat, Urlaub und Krankheit bleiben unbezahlt. Der Arbeitgeber spart Gehalt und Lohnsteuer. Der Mitarbeiter würde auch gerne mal sparen, nur wovon? Fordere dein Recht auf Mindestlohn und Bezahlung aller Stunden sowie auf Urlaub und auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ein. Lass dich nicht einschüchtern, der Arbeitgeber hat mehr zu verlieren als du.

Welches Risiko gehst du ein, wenn deine Chance sehr hoch ist, einen neuen Job zu finden, der genauso mies bezahlt wird? Und wenn dein Arbeitgeber emotionalen Druck ausübt - halte dem Druck stand! Du kannst das, denn du bist hart im Nehmen. Du wirst doch sowieso schon respektlos und schlecht behandelt, wie viel schlimmer kann es noch werden?

Dreh den Spieß um und überrasche dich selber

Sagen wir es mal so: Falls dein Arbeitgeber sich bei den gesetzlichen Vorgaben nicht sicher ist oder dir gar wegen Unbequemlichkeit eine Kündigung in Aussicht stellt, frag ihn gerne, ob du dich für ihn beim Zoll oder der Minijobzentrale kundig machen sollst, da man dort sehr hilfsbereit sei. Das wirkt Wunder! Und stärkt dein Selbstbewußtsein. Beides fühlt sich gut an, glaub mir. Es ist aufregend, ja, aber es funktioniert.

Wenn du Fragen hast, ruf mich an, ich helfe gern. Kostenlos.

Habt ihr schonmal davon gehört, dass Unternehmer immer darauf bedacht sind, Kosten zu sparen? Genau. Nun liegen die Lohnnebenkosten bei Minijobs für den Arbeitgeber bei 30%. Minijobs bedeuten für Unternehmer die höchsten Lohnnebenkosten überhaupt. Ein 'normaler' Angestelltenjob kostet ihn nur etwas über 20%, in der Gleitzone (Bruttogehalt zw. 450 und 850€) sogar noch weniger. Ist das nicht auffällig, dass so manche Unternehmer die teure Minijobvariante wählen, wo sie doch sonst so gerne sparen? Doch, ist es! Da passt es doch prima, dass man bei Minijobs so schön betrügen kann. Die Mitarbeiter und die Solidargemeinschaft. Nachfolgend 10 billige Gestaltungsmöglichkeiten von Minijobs und anschließend ein unkonventioneller aber wirkungsvoller Lösungsvorschlag, wie man endlich erfolgreich dagegen vorgehen könnte.

  1. Viele Minijobber erhalten keinen bezahlten Urlaub, meist wissen sie gar nicht, dass sie Anspruch darauf haben.
  2. Genausowenig bekommen sie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, so wie die anderen Mitarbeiter.
  3. Unbezahlte oder unterbezahlte Stunden sind keineswegs selten, zum Beispiel 20 h pro Woche für 450,-€ mtl.
  4. Die günstige Rentenregelung ist kaum bekannt. Für nur 3,7% Eigenanteil vom Minihonorar bekommt der Mitarbeiter den vollen Rentenversicherungsbeitrag angerechnet. Das ist wirklich mal ein selten gutes Angebot und sollte unbedingt wahrgenommen werden. Konkret heisst das für den Minijobber: Am Besten die Befreiung von der Rentenversicherung nicht unterschreiben!
  5. In Branchen, wo es mehr Minijobber gibt als im Durchschnitt, zum Beispiel in der Reinigungsbranche, der Gastro, auf Veranstaltungen wie dem Hamburger Dom u.a., fließen viele Bargehälter ganz ohne Abrechnung, ausgezahlt wird an die Mitarbeiter aber mit angeblichen Abzügen, so dass der Stundenlohn nicht selten bei 2-5,-€ liegt. In solchen Branchen ist es auch durchaus üblich, nur einen geringen Teil des Minijobbs offiziell zu zahlen (als Absicherung für den Unternehmer, so bist du wenigstens gemeldet) und den Rest schwarz.
  6. Haushaltshilfen, die angeblich in der Firma mitarbeiten und die der Arbeitgeber über die Firma absetzt, weswegen er Steuern spart. Und obwohl er spart, heisst das nur selten, dass der Minijobber wenigstens gut und anständig bezahlt wird. (Verpflichte den Arbeitgeber, dich privat anzumelden und dich gut zu bezahlen!)
  7. Oder anstatt vereinbarter Gehaltserhöhung und endlich das ersehnte sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnis, wird dem Mitarbeiter lieber eine monatliche Fahrkostenpauschale gezahlt. Meistens wird er aber entlassen.
  8. Feste Arbeitszeiten? Davon können viele Minijobber nur träumen. Dauerbereitschaftsdienst und unzuverlässiger Abruf der Arbeitszeiten kommt häufig vor. 
  9. Dort wo Unternehmer mehrere Firmen haben und Mitarbeiter tatsächlich nur in einer Firma arbeiten, wird ihr Gehalt trotzdem auf die Firmen verteilt wird, also inkl. einem Minijob (meist ohne RV). Der angebliche Vorteil hat sich mir noch nicht ganz erschlossen, für keine der beiden Seiten, aber für den Mitarbeiter sicher nicht. 
  10. Spätestens wenn es ins Rentenalter geht, merken die Menschen, um was sie all die Jahre betrogen wurden. Dem Staat sein Dank!

Minijobber auszunutzen funktioniert zum einen wegen der Notlage vieler Menschen - wer nicht mitspielt wird ausgetauscht - und zum anderen wegen der Klischeelüge, dass eine Aufgabe weniger wert sei, je geringer der Stundenaufwand ist. Das ist natürlich Unsinn. Fähigkeiten, Engagement und KnowHow sind nicht an Quantität gebunden. Wenn das so wäre, wären ja Vorstandsmitglieder, die nebenbei viele Aufgaben in anderen Unternehmen wahrnehmen, dort ebenfalls irgendwie Minijobber.

450€ für 0 Stunden! Läuft

Auf Unternehmerseite haben wir dafür schonmal Familienangehörige, die angeblich ebenfalls in der Firma arbeiten, dort aber noch nie gesehen wurden, zumindest nicht arbeitenderweise. Angehörige, die einen Firmenwagen fahren, den das Unternehmen im Monat mehr kostet, als der Minijob selbst. Gerne für die Frau und jedes Kind, manche als Minijobber, manche als Teilzeitkräfte. Das bedeutet für scheinangestellte Familienangehörige 450€ für 0 Stunden plus Auto. So sieht gute Bezahlung aus.

 

Die immer wieder aufkommenede Forderung nach mehr Kontrollen ist verständlich, aber das dürfte extrem schwierig werden. Oder zu einem Aufwand, der in keinerlei Relation zum Erfolg steht. Leichter sind Kontrollen nur in den Firmen, wo es auffallend viele Minijobber gibt. Manche Firmen haben sogar überwiegend Minijobber angestellt, zum Beispiel Reinigungsfirmen. Das ist sehr auffällig, denn wenn alles sauber läuft, machen viele Minijobs für den Arbeitgeber wegen viel zu hoher Lohnnebenkosten gar keinen Sinn. Prüfungen dort düften erfolgreicher sein. Aber das macht eben nicht die Masse aus. Minijobber findet man häufig in sehr kleinen Firmen. Wie will man dort kontrollieren? Selbst Überraschungsbesuche würden fruchtlos bleiben, wenn Arbeitszeitkonten genauso falsch geführt sind, wie falsch bezahlt wurde. 

Ohne die Mitarbeit der Betroffenen sind wirksame Kontrollen nahezu unmöglich

Aber die Betroffenen sind vielleicht grad gar nicht da, wenn geprüft wird, oder sie haben Angst, die Tatsachen offen zu legen. Man kann ja nun schlecht all diejenigen zum Verhör bitten, die man eigentlich schützen möchte.

Deshalb sehe ich hier nur eine Lösung: Belohnung. Menschen, die einen Betrug (nach aussen hin anonym) anzeigen und deren Anzeige zur Überführung des Unternehmers führt, sollten für ihren Mut eine Belohnung erhalten, steuerfrei und mindestens 450€. Je nach Betrugsvolumen aber auch deutlich mehr. Und den Arbeitgebern sollten empfindliche Strafen drohen, Wiederholungstätern auch Gefängnis. Mit solchen Gesetzen gäbe es sicherlich ein kurzes Feuerwerk an Aufregung, aber bereits nach 1 bis 2 Jahren wär das Geschichte. Genauso wie endlich Betrug an Minijobbern. Denn niemand kann zaubern. Es geht um viel mehr, als um schnödes Erkaufen von Informationen. Mehr Kontrollen kosten viel Geld und würden doch erfolglos bleiben. Das würde die Bereitschaft zu Betrug noch mehr verstärken, Prüfer und Minijobber würde es noch mehr frustrieren.

 

Ergo: Die Prüfer brauchen die Hilfe der Minijobber. Es geht um Zusammenarbeit, um Mut machen, es geht darum, Selbstvertrauen zu fördern und zu belohnen. Aufrichtige positive Verstärkung - eine Frage der Kommunikation und des Umgangs. 

 

 

ACHTUNG ab dem 1.1.2017

Auch für Minijobber ändert sich der Mindestlohn auf 8,84€ und deshalb beträgt zwangsläufige die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit nur noch maximal ~11,8 Stunden pro Woche (8,84€ x 11,8h/Wo x 4,3Wo/Monat = 450€ pro Monat!). Wer regelmäßig mehr Stunden arbeitet, ist sehr wahrscheinlich sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Oder er bekommt nicht den Mindestlohn.

 


 

Es gibt viel mehr Möglichkeiten, die Welt zu gestalten. Warum nicht zum Beispiel so:

1. Alle hohen (weisen?) Führungskräfte bekommen ein gesundes überschaubares Grundeinkommen.

2. Je niederer eine Arbeit ist, desto mehr Geld verdient man.

3. Dienst am Menschen wird immer gut honoriert.

Wie würde eine solche Welt aussehen?