Minijob - Honorar oder Ausbeutung?

Minijobber haben grds. die gleichen Rechte wie alle anderen Mitarbeiter auch. Sie haben Anspruch auf bezahlten Urlaub und auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Doch in der Praxis verweigern viele Arbeitgeber den Minijobbern diese Rechte, so manch einer bekommt nur Geld, wenn er gearbeitet hat, Urlaub und Krankheit bleiben unbezahlt. Der Arbeitgeber spart Gehalt und Lohnsteuer. Der Mitarbeiter würde auch gerne mal sparen. Nur wovon? Fordere dein Recht auf Mindestlohn und Bezahlung aller Stunden sowie auf Urlaub und auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ein. Lass dich nicht einschüchtern. Der Arbeitgeber hat mehr zu verlieren als du. Welches Risiko

... gehst du ein, wenn doch deine Chance sehr hoch ist, einen neuen Job zu finden, der genauso schlecht bezahlt wird? Und wenn dein Arbeitgeber emotionalen Druck ausübt - halte dem Druck stand! Du kannst das, denn du bist hart im Nehmen. Du wirst doch sowieso schon respektlos und schlecht behandelt, wie viel schlimmer kann es noch werden?

Dreh den Spieß um und überrasche dich selber: Falls dein Arbeitgeber sich bei den Vorgaben nicht sicher ist oder dir gar wegen Unbequemlichkeit eine Kündigung in Aussicht stellt, frag ihn gerne, ob du dich für ihn beim Zoll oder der Minijobzentrale kundig machen sollst, da man dort sehr hilfsbereit sei. Das wirkt Wunder! Und stärkt das Selbstbewußtsein. Beides fühlt sich gut an.

Wenn du Fragen hast, ruf mich an, ich helfe gern.

 

Nachfolgend 10 billige Gestaltungsmöglichkeiten von Minijobs und anschließend ein Lösungsvorchlag, wie immer unkonventionell.

1. Viele Minijobber erhalten keinen bezahlten Urlaub, meist wissen sie gar nicht, dass sie Anspruch darauf haben.

2. Genausowenig bekommen sie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, so wie die anderen Mitarbeiter.

3. Unbezahlte oder unterbezahlte Stunden sind keineswegs selten, zum Beispiel 20 h pro Woche für 450,-€ mtl.

4. Die günstige Rentenregelung ist kaum bekannt. Für nur 3,7% Eigenanteil vom Minihonorar bekommt der Mitarbeiter den vollen Rentenversicherungsbeitrag angerechnet. Das ist wirklich mal ein gutes Angebot und sollte unbedingt wahrgenommen werden. Konkret heisst das für den Minijobber: Am Besten die Befreiung von der Rentenversicherung nicht unterschreiben!

5. In Branchen, wo es mehr Minijobber gibt als im Durchschnitt, zum Beispiel in der Gastro, auf dem Dom u.a., fließen viele Bargehälter ganz ohne Abrechnung, ausgezahlt wird an die Mitarbeiter mit angeblichen Abzügen, so dass der Stundenlohn nicht selten bei 3-5,-€ liegt. In solchen Branchen ist es auch durchaus üblich, nur einen geringen Teil des Minijobbs offiziell zu zahlen und den Rest schwarz.

6. Haushaltshilfen, die angeblich in der Firma mitarbeiten und obwohl der Arbeitgeber das dann absetzt und Kosten spart, heisst das nicht zwangsläufig, dass der Minijobber wenigstens gut und anständig bezahlt wird.

7. Oder anstatt vereinbarter Gehaltserhöhung und endlich das ersehnte sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnis, wird dem Mitarbeiter lieber eine monatliche Fahrkostenpauschale gezahlt.

8. Feste Arbeitszeiten? Davon können viele Minijobber nur träumen. Dauerbereitschaftsdienst und unzuverlässiger Abruf der Arbeitszeiten kommt ebenfalls häufig vor. 

9. Dort wo Unternehmer mehrere Firmen haben und Mitarbeiter tatsächlich nur in einer Firma arbeiten, wird ihr Gehalt trotzdem auf die Firmen verteilt wird, also inkl. einem Minijob (meist ohne RV). Der angebliche Vorteil hat sich mir noch nicht ganz erschlossen, für keine der beiden Seiten, aber für den Mitarbeiter sicher nicht. 

 

Minijobber auszunutzen funktioniert zum einen wegen der Notlage vieler Menschen - wer nicht mitspielt wird ausgetauscht - und zum anderen wegen der Klischeelüge, dass eine Aufgabe weniger wert sei, je geringer der Stundenaufwand ist. Das ist natürlich Unsinn. Fähigkeiten, Engagement und KnowHow sind nicht an Quantität gebunden. Wenn das so wäre, wären ja auch Vorstandsmitglieder, die nebenbei Aufgaben in anderen Unternehmen wahrnehmen, dort ebenfalls Minijobber ... Na jaa, ihr wisst ja was ich meine, is doch wahr.

 

10. Auf Unternehmerseite haben wir dafür schonmal Familienangehörige, die angeblich ebenfalls in der Firma arbeiten, dort aber noch nie gesehen wurden, zumindest nicht arbeitenderweise. Die dafür aber einen Firmenwagen fahren, der das Unternehmen im Monat mehr kostet, als der Minijob selbst. Gerne für die Frau und jedes Kind, manche als Minijobber, manche als Teilzeitkräfte. Das heißt umgerechnet auf den Stundenlohn 450€ für 0 Stunden. Plus Auto. So sieht gute Bezahlung aus.

 

Die Forderung nach mehr Kontrollen ist verständlich, aber das dürfte extrem schwierig werden. Oder zu einem Aufwand, der in keinerlei Relation zum Erfolg steht. Leichter sind Kontrollen nur in Firmen, wo es auffallend viele Minijobber gibt. Manche Firmen haben sogar überwiegend Minijobber angestellt, zum Beispiel Reinigungsfirmen. Das ist sehr auffällig, denn wenn alles sauber läuft, machen viele Minijobs für den Arbeitgeber wegen viel zu hoher Lohnnebenkosten gar keinen Sinn. Prüfungen dort düften erfolgreicher sein. Aber das macht eben nicht die Masse aus. Minijobber findet man häufig in sehr kleinen Firmen. Wie will man dort kontrollieren? Selbst Überraschungsbesuche würden fruchtlos bleiben, wenn Arbeitszeitkonten genauso falsch geführt sind, wie falsch bezahlt wurde. Ohne die Mitarbeit der Betroffenen halte ich wirksame Kontrollen nahezu für unmöglich. Aber die Betroffenen sind vielleicht grad gar nicht da, oder sie haben Angst, die Tatsachen offen zu legen. Man kann ja nun schlecht all diejenigen zum Verhör bitten, die man eigentlich schützen möchte.

Deshalb sehe ich hier nur eine Lösung: Belohnung. Menschen, die einen Betrug (nach aussen hin anonym) anzeigen und deren Anzeige zur Überführung des Unternehmers führt, sollten für ihren Mut eine Belohnung erhalten, steuerfrei und mindestens 450,-€. Je nach Betrugsvolumen aber auch deutlich mehr. Und den Arbeitgebern sollten empfindliche Strafen drohen, Wiederholungstätern auch Gefängnis. Mit solchen Gesetzen gäbe es sicherlich ein kurzes Feuerwerk an Aufregung, aber bereits nach 1 bis 2 Jahren wär das doch Geschichte. Genauso wie endlich Betrug an Minijobbern. Denn niemand kann zaubern. Es geht also um viel mehr, als um schnödes Erkaufen von Informationen. Mehr Kontrollen kosten so viel Geld und würden doch erfolglos bleiben. Das würde die Bereitschaft zu Betrug verstärken, Prüfer und Minijobber würde das noch mehr frustrieren. Ergo: Die Prüfer brauchen die Hilfe der Minijobber. Es geht um Zusammenarbeit, um Mut machen, es geht darum, Selbstvertrauen zu fördern und zu belohnen. Aufrichtige positive Verstärkung - eine Frage der Kommunikation und des Umgangs. 

 

ACHTUNG ab dem 1.1.2017

Auch für Minijobber ändert sich der Mindestlohn und deshalb beträgt die regelmäßige Arbeitszeit nur noch knapp 11,5 Stunden pro Woche. Wer regelmäßig mehr arbeitet, ist sehr wahrscheinlich sozialversicherungspflichtig beschäftigt.