Perfektionismus ist der Tod des Genialen (1 Min)

Unser Drang nach Perfektionismus ist löblich, solange es um Forscherdrang, Zuverlässigkeit oder eine gewisse Aufgeräumtheit geht. Wandelt sich aber Perfektionismus in die Angst des Versagens und den Krampf des Scheiterns, wird er zerstörerisch. Stichwort kryptische alltagsuntaugliche Schulbildung. Am Tagesende ist Perfektionismus eine Illusion, denn es gibt doch nichts, was so perfekt sein könnte, dass es für immerdar gut und unübertreffbar wäre. Die Unübertreffbarkeit selbst ist die eigentliche Perfektion, in der Wandlung und der unendlichen Vielfalt an Möglichkeiten liegt die wahre Genialität.

Die Veränderung anzuerkennen, zu ehren und zu achten, bedeutet, mit dem Tod selbst Frieden zu schliessen. Nur wenn etwas stirbt, kann etwas neues daraus erwachsen. Der Tod ist der Samen und das Beet für Wachstum und Unvorstellbarkeit. Im Kleinen wie im Großen. Man mag an einem scheinbar perfekten Produkt, einem Prozess, einer Struktur oder auch an einer Ideologie festhalten um jeden Preis – weil es in Anbetracht des Ungewissen Halt gibt – so wird man doch die Veränderung selbst nie aufhalten, der Tod, die Veränderung wird je nach Festhalten nur als schmerzhaft empfunden. Man beraubt sich zugleich dem tiefen Gefühl, die Erde oder Wurzel für etwas Neues und Grösseres zu schaffen oder zu sein. Die Lösung und Erlösung liegt in der ausgewogenen Intuition, bis wohin etwas so genussvoll gut ist, dass sich daran festzuhalten lohnt, und wann es Zeit ist loszulassen. Bei ausgedienten Produkten oder ins Leere laufenden Forschungsprozessen ebenso wie bei eingefahrenen Gesellschaftsstrukturen. Wenn offensichtlich ist, dass es nicht perfekt ist, eben weil es nicht rund läuft, da hilft Mut zum Experimentellen. Schlicht gesagt: Ausprobieren, manchmal bar jedweder Argumente. Die größte Kür liegt auf jeden Fall darin, in einer Gemeinschaft unterschiedliche Stationen in einem Veränderungsprozess (an-) zu erkennen, ähnlich einem Staffellauf. Jung und alt. Wenn zwei Läufer zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlichen Schuhen laufen, so können sie doch beide für die gemeinsame Sache unterwegs sein. Den einen hätte es ohne den anderen nicht gegeben, und der andere könnte ohne den einen seinen Teil nicht vollenden. Am Tagesende haben beide den gleichen Prozess durchlaufen.

Genialität, Intuition oder Loslassen? Nennen Sie diesen Punkt, wie es Ihnen beliebt. Entscheidend ist: Veränderung kann man lernen, erfahren wird man sie sowieso. Diese Erfahrung kann man teilen und fördern.

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