Bankbetrug

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Bei vielen Banken ist es wie bei Momo - man klaut Zeit. In einer Firma wurde ich durch wiederholte Zahlungserinnerungen von Lieferanten oder Nachfragen vom Personal, wo das Gehalt denn bliebe aufmerksam auf auffällig lange Überweisungszeiträume von regelmäßig 3 und teilweise sogar bis zu 5 Kalendertagen. Alle Überweisungen waren online getätigt worden und laut Wertstellung auch pünktlich. Wen frage ich also, was da los ist? Die ausführende Bank. Oh Überraschung - die Bank dementierte. "... so lange Überweisungszeiträume seien doch gar nicht mehr erlaubt..."  Stimmt. Na und? "... warum solle man das denn tun, die Bank hätte doch gar nichts davon ...?"  Aha, warum macht sie es dann, wenn sie nichts davon hat? 

Und wenn Banken sich Milliarden Euro Liquidität verschaffen, jeden Tag, eben weil sie das Geld nicht sofort weiterleiten zum Empfänger, dann haben die Banken nichts davon, ist das so? Ok, ich persönlich wüßte jetzt nicht so schnell, was ich mit 1 Milliarde € anfangen sollte, wenn man mir für 2-3 Tage eine zur Verfügung stellen würde. Aber eine Bank? Viel Unsinn, wie wir wissen.

Das Problem der viel zu langen Überweisungsdauer gab es in Deutschland schonmal. Bis ein Gesetz kam, das die Banken zu kürzeren und klar definierten Zeiträumen verpflichtete. Ob die Banken das dann damals eingehalten haben, weiß ich nicht. Aber heute haben sich anscheinend viele Banken wieder dazu entschieden, das bewußt zu ignorieren. Merkt ja auch keiner. Überprüfen Sie doch mal stichprobenweise die Dauer Ihrer online-Überweisungen. Notieren Sie dazu Tag und Uhrzeit. Das ist wichtig, da gesetzlich gesehen die Bankarbeitstage Grundlage sind. Also die echten Öffnungszeiten. Achtung: Es gibt oft zwei Datumsangaben zu einem Betrag. Entscheidend ist das Wertstellungs-Datum. (Nachträgliche Zwischenbemerkung: Offensichtlich haben die anderen Banken nachgezogen und die Programmierung wieder auf gesetzeskonform gestellt.)

Kein Wunder jedenfalls, wenn die Gehälter schonmal zu spät kommen, oder wenn bei Lieferantenrechnungen Skonto flöten geht. Oder folgendes Szenario: A und B haben eine Vereinbarung, bei der es um viel Geld geht. Damit der Deal zustande kommt, muss u.a. die Bedingung erfüllt sein, dass A an B eine Anzahlung leistet. Der Betrag muss fristgerecht bei B eingehen (dafür kann es viele Gründe geben), sonst platzt der Deal. A überweist online und fristgerecht, aber - den Banken sei dank - das Geld kommt zu spät bei B an. Der Deal ist geplatzt. Und nu? A bleibt doch nichts anderes übrig, als die Bank auf Schadensersatz zu verklagen. Wer will das?

Ich habe übrigens wochenlang mit der VR Bank Flensburg Schleswig diskutiert und angeblich ist das Problem seit dem 01.10.2016 behoben. Ich wurde abschließend noch gebeten, dass ich das der Fairness halber bei allen anderen Banken auch durchsetzen möge. ha ha... Ja wer bin ich denn?! 

By the way - ich finde ja, dass die gesetzlichen Vorgaben mit Verweis auf Bankarbeitstage von der Justiz wieder mal eine schallende Ohrfeige für alle Kunden ist. Mittelalterjustiz im Internetzeitalter. (Es müsste Regeln geben, dass in bestimmten Bereichen Richter nicht älter als 40 Jahrealt sein dürfen, damit man wenigstens halbwegs davon ausgehen kann, dass sie den technischen Fortschritt mitdenken können.) Die Schnelligkeit eines Geldtransfers ist eine Frage der Programmierung und technisch innerhalb weniger Minuten möglich. Also wen bitteschön interessiert im world wide web noch das Wochenende? Die Banken, ach ja... 

Strafverfolgung?

Die Frage stellt sich in diesem Fall nicht.

Leider in vielen anderen Bankbetrugsfällen auch nicht, da Bankmenschen in der Regel nicht bestraft werden, sondern ihr Betrug lediglich mit Steuergeldern beglichen wird. Etablierter Betrug halt. Aber stehlen Sie mal einer Bank etwas, oder einem Unternehmen ein Brötchen, oder Duschgel. Aber hallo. By the way: Nun war ich ja nicht nur für über 100 Unternehmen tätig, sondern daran angeschlossen waren über 1000 weitere Firmen – Partnergesellschaften, Lieferanten, Dienstleister, B2B-Kunden etc. – zu denen ich teilweise auch engen Kontakt hatte. Aber in meiner gesamten Berufslaufbahn – raten Sie mal, wieviele Strafverfolgungen und Verurteilungen ich miterlebt habe? Eine ! Ein Unternehmer, der strafverfolgt und zu einer vertretbaren Geldstrafe verurteilt wurde. Angezeigt hatte ihn ein Geschäftspartner, der im Übrigen selber die gleichen und noch andere Straftaten beging. Eine Anzeige aus purem Neid übrigens, da er das Unternehmen nicht entern konnte. Aber das ist ja auch egal: Das Motiv des Neids macht die eigentliche Straftat ja auch nicht besser.

 

 Bemerkenswert ist auch der Hartz IV Betrug, aber anders als man denkt.