Steuerhinterziehung

Steuerhinterziehung ist der strafbare Versuch des Steuerzahlers, das staatliche Versprechen der Steuergerechtigkeit auf privater Basis zu realisieren. Helmar Nahr, deutscher Mathematiker und Unternehmer, 1931 - 1990


Hier das Beispiel, das nach vielen Jahren als Betrugszuschauer mein persönliches social turn around war. Bis dahin hatte ich einfach menschliche und Verständnisblockaden. Ganz simple Sachen manchmal, zum Beispiel war es immer eine Selbstverständlichkeit für mich, dass auch wohlhabende Bürger Bargeld am Geldautomaten abheben. Umsomehr wenn ein Unternehmer gar kein Bargeschäft hat. Ich hätte da nie drüber nachgedacht, aber es gibt tatsächlich Menschen, die niemals an einen Geldautomaten müssen. Die Vorstellung kam in meiner kleinen Welt nicht vor. Bis ich das in einem Unternehmen nach vielen Jahren Tätigkeit durch Zufall herausgefunden hatte. Vielmehr durch die Überheblichkeit eines Unternehmers. Und als ich das dann wußte, dass beide Unternehmer niemals Geld abheben - obwohl sie sogar fast alles in ihrem Alltag bar bezahlten, aber woher kam das Bargeld bloß - hat es trotzdem noch Wochen gedauert, bis ich das richtig verstanden habe. Es war wie bei diesem Tsumaie 2004 vor Thailand, wissen Sie? Wenn ein Tsunamiekenner am Strand steht und das Meer zieht sich innerhalb kurzer Zeit weit zurück, dann weiß er sofort was los ist. Aber wenn ich da am Strand gestanden hätte, hätte ich gesagt "Oooch, guck maa ..." und wär da wahrscheinlich einfach mit einem Fragezeichen stehen geblieben. So ging es mir bei der Sache mit dem Bargeld und den GeldautomatenEin wenig später hatte ich die Unternehmerin gefragt "Hey, ihr hebt ja niemals Geld vom Konto ab",  ihre Spontanantwort: "Ja, das ist ja das Problem!"  . . . Als ich das endlich verstanden hatte, habe ich noch ganz andere Sachen herausgefunden. Die Groschen, die fielen, das war wie bei einem Hauptgewinn am einarmigen Banditen. Die beiden waren offiziell bereits stattliche Multimillionäre, und trotzdem machten sie zusätzlich 5stellige Summen schwarz, jeden Monat. Yachten bar gekauft und den Unterhalt dafür, Schmuck, 20tsd€-Kronleuchter etc. pp. 

Die Unternehmer hatten nach eigenem Ermessen mehr Geld als sie ausgeben konnten. Auch offiziell, aber weil sie zuviel Schwarzgeld hatten, mussten sie nie zum Automaten. Sie hatten kein Geldbesorgungsproblem, also ein Problem, das den meisten Menschen aus der Bevölkerung leidlich bekannt sein dürfte, sondern sie hatten ein Geldentsorgungsproblem. Nichts ungewöhnliches in solchen Kreisen, das kannte ich schon. Dieses besondere Problem zieht oft zwangsläufig viele weitere Straftaten nach sich. 
Trotz zuviel Geld und nicht recht wissen wohin damit, wurden die Angestellten schlecht bezahlt und wie Leibeigene behandelt. Und ich? Zwei Umstände spielten damals eine wichtige Rolle. Zum einen hatte ich nicht lange davor die gleichen Unternehmer vor einem Hochkriminellen bewahrt und gelinde gesagt meine Gesundheit riskiert. Die beiden wurden von einem schwer Kriminellen jahrelang um Geld erpresst, wovon ich erst kurz vorher erfahren hatte. Schwer kriminell habe ich später von der Polizei erfahren, die ihn schon seit längerem wegen Verdachts des Drogenhandels und sogar Mordverdachts observierte. In einer spontanen Situation beendete ich durch meinen persönlichen Einsatz diese Erpressung. Nur war das gar nicht so spontan wie man meinen möchte, denn der Unternehmer erzählte später stolz, dass er die Situation geplant und selber herbeigeführt hatte, da er mich und meine Einsatzfreude kannte. Er hätte mich zwar nicht wirklich gebraucht, aber er hatte eben Angst, deshalb war er ja auch erpressbar. Doch anstatt mich auf Augenhöhe um Hilfe zu bitten, hat er mich ausgenutzt. Kurz nach dem Erfolg hat er per Anwalt eine Verfügung erwirken können, dass der Erpresser die beiden Unternehmer nicht kontaktieren oder sich in ihrer Gegenwart aufhalten dürfe, bei Zuwiderhandlung droht ihm bis zu 100.000€ Strafe und Gefängnis. Läuft. Nur meine Wenigkeit haben die Unternehmer sich bei der Verfügung gespart. 

Zeitgleich wurde mir in dieser Zeit schmerzlich bewußt, daß die meisten der über 100 Firmen, für die ich tätig war, betrogen, viele nicht unerheblich und sehr zum Nachteil der Mitmenschen. Diese Desillusion und die Erkenntnis über das tatsächliche Ausmaß war eine harte und bittere Erkenntnis. Ich war sauer. Und trotzdem hatte ich den beiden Unternehmern die Möglichkeit gegeben, das in Ordnung zu bringen. Wollten sie aber nicht. Also habe ich Anzeige erstattet. Beim Finanzamt, ganz offiziell, mit meinem guten Namen und mit den Informationen, die ich hatte. 
Zur Klarstellung. Ich bin nicht zu 100% gegen Steuerhinterziehung. Die Alternative ist ja, dass die Politik das Geld verwaltet. Das ist vom Regen in die Traufe. Aber aktuell ist mir die Traufe immer noch lieber. 
Ich bin überhaupt und grundsätzlich nicht dafür, Gesetze einfach zu befolgen, nur weil es jemand Gesetz genannt hat. An oberster Stelle steht für mich eigenverantwortliches Handeln. Zufälligerweise schätze ich viele unserer Gesetze sehr. Diese gilt es zu verteidigen und zu wahren. Heute mehr denn je, wo Politik und Wirtschaft sich immer öfter das Bett teilen. 

Es war damals jedenfalls nach vielen Jahren das erste Mal, dass ich so aktiv gegen eine Firma vorgegangen bin. Das war kein gutes Gefühl, wahrlich nicht. Aber es war ein besseres, als es nicht zu tun. Diese Erfahrung war letztlich sehr wichtig für mich und stellte 2014/2015 einen Wendepunkt in meiner bewussten Wahrnehmung und in meinem Leben dar. 

 

Wie die Sache ausgegangen ist?

Keine Strafverfolgung, Verfahren eingestellt

 

 

 

 

 

Danach kam der Spendenbetrug


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Kommentare: 2
  • #1

    Max (Freitag, 18 November 2016 16:04)

    was ist daraus geworden? Die Anzeige? Würd mich interessieren und auch wie der Unternehmer das gemacht hat!

  • #2

    susanne (Freitag, 18 November 2016 17:32)

    Die Unternehmer haben zwei unabhängige Geschäftszweige. Mit dem einen verdienen sie offiziell ihre Millionen, das andere ist ein teures Ladengeschäft, kleiner alter Familienbetrieb der aber offiziell seit Jahren Minus macht und lt. Aussagen der Unternehmer nur noch aus Tradition und generös wegen der jahrelangen Mitarbeiter am Leben erhalten wird - ginge man nach den Zahlen, müsste man eigentlich schließen. Aber genau das stimmte nicht. Der überwiegende Teil wurde einfach verwegen mit Schwarzgeld verdient, das meiste ohne Beleg. No risk no fun. War offensichtlich gut getarnt, hat ja viele Jahre funktioniert. Daher kam auch das Geldentsorgungsproblem.
    Was daraus geworden ist, erfährt man leider nicht (immer). Wenn es ein Gerichtsverfahren gibt, müsste man das selber verfolgen. Schwierig wird es spätestens dann, wenn ein Urteil nicht offiziell verkündet, sondern nur schriftlich mitgeteilt wird. Trauriger Fakt ist persé nach wie vor, dass die Justiz immer noch Steuerhinterziehung deutlich zu oft als Kavaliersdelikt betrachtet. Theorie und Praxis, Gesetz und Umsetzung klaffen weit auseinander, da gibt es Handlungsbedarf. Auch deshalb diese Website. Irgendwo muss man ja mal anfangen, aufzuräumen und neu zu sortieren.