Initiative Tierwohl Initiative - Das bedingungslose Grundeinkommen für Industrie und Landwirtschaft

Herzlich Willkommen zur Fleischbeschauung der Initiative Tierwohl und der Tierwohl Initiative. Es gibt tatsächlich zwei unterschiedliche Initiativen mit fast identischem Namen. Einmal von der Wirtschaft und einmal von der Politik (wobei sich beide oft genug das Bett teilen). Der Wohlklang beider Namen lässt den Verbaucher hoffen, dass die Welt wieder in Ordnung kommt. Kommt sie aber nicht. Minus und Minus macht auch in der Lebensmittelindustrie nicht Plus, beide Initiativen schlagen dem Güllefaß den Boden aus. Zunächst das offizielle BlaBla:

1.) Wirtschaft: Die Initiative Tierwohl ist ein "Zusammenschluss von Unternehmen und Verbänden aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel, die sich gemeinsam für eine tiergerechtere und nachhaltigere Fleischerzeugung einsetzen."

2.) Politik: Die Tierwohl-Initiative (wie geistreich) ist vom Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, kurz BMEL. "Die Haltung von Tieren in Deutschland zu verbessern - das ist das Ziel der Tierwohl-Initiative."

 

Wir widmen uns in diesem Blog der ersten Initiative, eine grosse Nummer der Wirtschaft. Da dürfen Sie gerne jedes Mal drüber philosophieren (und auch rechnen), wenn Sie irgendwo an der Kasse stehen und Ihren Einkauf bezahlen. Kurzfassung:

  • Im Frühjahr/Sommer 2014 verhängt das Bundeskartellamt an die Fleischindustrie Millionenstrafen (über 338 Mio €). Die Strafen haben zwar Gültigkeit, können aber größtenteils angeblich wegen irgendwelcher Gesetzeslücken nicht eingetrieben werden. Googeln Sie zum Beispiel mal die beiden Begriffe "Bundeskartellamt Tönnies" 
  • Zeitgleich wird die Initiative Tierwohl gegründet. 
  • Im August 2014 (huch) entscheidet sich das Bundeskartellamt dazu, zwei Augen zuzudrücken bei der Bildung dieses Kartells, also von einem der größten Industriezweige überhaupt.
  • Ziel der Initiative: Sie sammelt Geld von der Industrie, um es an Hühner- und Schweinebauern auszuzahlen. An die Bauern werden keine besonderen Anforderungen gestellt, die nicht vorher auch schon gegolten haben, QS genannt. Man könnte auch sagen: Es gibt kein Tierwohl.
  • Das Geld, das die Bauern von der ITW erhalten - eine halbe Million Euro pro Bauer sind nicht ungewöhnlich - ist nicht zweckgebunden. Im Volksmund sagt man dazu Geschenke. Und da man mit Geschenken machen kann was man will, werden in vielen Betrieben nicht mal 5% des Geldes auch nur ansatzweise in Tierwohl investiert. 
  • Trotz QS und trotz ITW gibt es schon lange und immer noch in vielen Betrieben eine Überbelegung, teilweise sogar von über 40%. Bekannt und geduldet.
  • Landwirtschaftsministerium und Bundeskartellamt interessieren weder Überbelegung noch Fassade. 

Kartelle sind ja per Gesetz verboten. Auf der Seite des Kartellamtes heisst es dazu: "...Unter bestimmten Voraussetzungen können wettbewerbsbeschränkende Vereinbarungen vom Kartellverbot befreit sein. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn durch die Vereinbarung die Warenerzeugung verbessert oder der technische Fortschritt gefördert wird und gleichzeitig die Verbraucher an dem entstehenden Gewinn angemessen beteiligt werden."

Wen meinen die mit Verbraucher, etwa die Bauern? Huhn, Schwein und Verbraucher - die drei haben jedenfalls keinen Vorteil von der ITW. Aber wer sonst? Bitte kreuzen Sie Ihre Vermutung aus dem Kreis der ürbig gebliebenen per multiple choice an, mit freundlicher Unterstützung von Bundeskartellamt und Landwirtschaftministerium: 

¡ Bauern ¡ Landwirtschaftsverbände ¡ Fleischwirtschaft ¡ Lebensmittelhandel  

Das Landwirtschaftsministerium, Herr Schmidt, hat eine offizielle Anzeige vorliegen, nachweislich, er hat aber nicht reagiert, noch nicht mal geantwortet. Das Kartellamt, Herr Mundt, hat ebenfalls eine offizielle Anzeige vorliegen. Das Kartellamt hat klargestellt, dass es keine Befreiung vom Kartellverbot erteilt hat. Mit gleichem Schreiben hat es aber auch klargestellt, dass es sich für die Inhalte der Initiative nicht interessiert. Weil es nämlich 4 Cent pro Kilogramm Schweine- und Hühnerfleisch für einen geringen Betrag hält. Juchhuu, wir haben also ein Kartell, das per Gesetzt verboten ist, wo aber der Hüter dieses Verbots ganz offiziell verkündet, dass man sich darum nicht kümmern möchte. Um diese kleine Lebensmittelindustrie. Das ist irgendwie, als würde ich neben der Polizei wohnen und die guckt weg oder zu, während bei mir täglich eingebrochen und geklaut wird. Am hellichten Tag. Dabei geht es doch um tonnenweise Hühner- und Schweinefleisch, also eher um 40.000.000.000 Cent (40 Mrd.), und mehr. Wann haben Sie, also Sie persönlich, lieber Leser, eigentlich das letzte Mal eine halbe Million Euro geschenkt bekommen?

So geht bedingungsloses (Grund-)Einkommen! Betriebsprämien, Direktzahlungen, Dieselerstattungen (von ohnehin schon vergünstigten Dieselpreisen), Steuervergünstigungen, ITW und Millionengeschenke - da kommen viele Milliarden zusammen. Alles finanziert vom Steuerzahler und Verbraucher, meistens fleissig schaffende Menschen. Die widerrum lächerliche 2,-€ mehr Kindergeld bekommen. Oder so. Das ist doch billig! Man könnt meinen, fürs Schwein gibts mehr Unterstützung als fürs Kind. Aber beim Schwein kommts ja nun leider auch nicht an, da haben Schwein und Verbraucher was gemeinsam. Auf jeden Fall viel Geld, das die Branchen bekommen, das Schwarzgeld noch nicht mitgerechnet. Denn das gibt es ja auch noch. Zwar nicht mehr so einfach wie früher, drei Hühner verkauft, eins angegeben, zwei im Sinn. Heute ist das komplexer, da tut sich ein beachtliches Paralleluniversum auf, das sich durch die Stationen zieht.

Zwischenfazit: Wenn der elementarste unserer Industriezweige (Nahrung?!) es nicht hinbekommt, sich in die freie (!) Marktwirtschaft einzugliedern, sondern sich einfach bedient und sogar das Bundeskartellamt sich auf die Seite des Kartells schlägt, dann kann man die freie Marktwirtschaft abschaffen, oder zumindest diesen besonderen Bereich verstaatlichen. Dann sollte man das Landwirtschaftsministerium auch abschaffen... Unlösbar? Mitnichten, alternativ könnte man endlich mal konsequent und hart durchgreifen. 

Liebe Leute, die Lebensmittelindustrie von A-Z hat vielerorts einen ganz bitteren Beigeschmack. Nun sollen wir uns für Tierunwohl auch noch bestehlen lassen, und als ob all das nicht schlimm genug wäre, hört und liest man von organisiertem Sklavenhandel in der Fleischindustrie, hier in Deutschland! Da frag ich mich: Was mag wohl die Songhymne dieser eingeschworenen Community sein, bis die Ärzte kommen? Die Party stinkt doch zum Himmel.

Was also tun? Ich rege Konsumstreik an. JEDE letzte Woche im Monat KEIN Fleisch. Das wär ein guter Anfang, grunz, muh, freu. Apropos: Ist Ihnen aufgefallen, dass das (Un)Wohl des Rindes nicht an der Initiative teilnimmt? 

Wenn Sie mehr wissen wollen - Tierwohl vs. Bauernwohl oder Verbraucherwohl vs. Industriewohl - (fast) die ganze Wahrheit finden Sie HIER.