Poetry


Märchenhaft!

Rotkäppchen rehabilitiert Wolf

Es ist mir eine Ehre und große Freude, heute am 3. Dezember die geheimen Akten aus dem Märchenwald bekannt machen zu dürfen. War doch damals alles ganz anders, auch das mit dem Wolf und dem Rotkäppchen. Irgendwann nämlich, an einem Spätsommertag, als Rotkäppchen gedankenverloren durch den Märchenwald spazierte und sie grade flugs um einen großen Baum abbog, da standen sie sich plötzlich gegenüber, der Wolf und das Rotkäppchen, und schauten sich beide mit aufgerissenen überraschten Augen an. Noch bevor der Wolf es sich versah, fiel das Rotkäppchen auch schon über ihn her, drückte, herzte und knutschte ihn, dass der Wolf kaum Luft bekam. So sehr freute sich das Rotkäppchen, dass es endlich den Wolf traf, von dem es doch schon so viel gehört hatte. Seitdem waren sie Freunde, die beiden. So oft es ging, begleitete der Wolf das Rotkäppchen durch den Wald zur Großmutter. Und weil der Wolf ein großes Gemüt hatte und es so liebte, wenn die Augen des Rotkäppchens strahlten, ließ er geduldig alles über sich ergehen, auch ihr Lieblingsspiel: Hundertmal als Oma verkleiden und Tee mit ihm trinken. So war das damals. Ein wahrhaft schönes Leben. Bis irgendwer die Lüge vom bösen Wolf verbreitete und der Wolf sich irgendwann verstecken musste, so schlimm war es geworden. Seitdem ist auch das Rotkäppchen verschwunden. Aber es gibt es noch. Ganz tief im Wald lebt es, zusammen mit den Wölfen. Manchmal kannst du es sehen, das rote Käppchen, wenn es durch die Bäume huscht.

Doch wie kam das Märchen über den bösen Wolf überhaupt in den Märchenwald hinein und auch wieder hinaus, wer tat die fiese Lüge kund? Das war das kleine Rumpelstilzchen. Das in Wirklichkeit gar nicht fies war, sondern nur doll arg traurig und einsam. Weil es keine Freunde hatte und ihm Schlimmes wiederfahren war. Was aber auch niemand wusste. Doch das ist eine andere Geschichte ~

Rumpelstilzchen's Entführung

Einmal wurden das Rotkäppchen und der Wolf heimlich beim TeeTrinken-Spielen beobachtet. Vom Jäger des Königs und dem Rumpelstilzchen, das als kleines Mädchen entführt worden war und seither niedere Dienste am Hofe verrichten musste. An einem Tag im Wald war es mit dem Jäger unterwegs zum Giftpilze sammeln. Zurück im Schloß hörte das Rumpelstilzchen zu, wie der Jäger dem König von dem Spiel im Walde erzählte. Und da die Menschen Frieden und Freude nicht leiden konnten, beschlossen sie, den Wolf zu töten. Und das Rotkäppchen am besten gleich mit. Den Menschen wollten sie erzählen, dass es der Wolf gewesen war. Aber das Rumpelstilzchen rief unter Tränen, dass es das nicht zulassen und allen die Wahrheit erzählen würde. Da wurde es weggesperrt und ward lange vergessen. Irgendwann, es war schon eine junge Frau, konnte es doch fliehen und lief tief in den Märchenwald. Dort traf es auf einen Waldelfen und die beiden verliebten sich auf den allerschönsten ersten Blick. Bald darauf bekamen sie ein Kind. Irgendwann erfuhr der Prinz davon, der jetzt neuer fieser König war, und weil er selber keine Kinder zeugen konnte, hatte er einen so großen Hass auf das Rumpelstilzchen, dass er Hölle und Hölle in Bewegung setze, und die kleine Märchenfamilie überall suchen ließ. Als man sie fand, ließ er den Waldelfen töten und raubte das Kind. Rumpelstilzchen konnte fliehen. Nun wurden Wunderkräfte in im wach, was auch gut zum Namen passte, denn Rumpelstilzen bedeutet in der Märchenwelt soviel wie große Zauberfrau in der Menschensprache. Es flog gradezu zum Schloß und als es das Stimmchen seines Babys hörte, wurden überirdische Kräfte in ihm wach. Es überwältigte den König, schloss das Kind in seine Arme und mit dem Schwert an des Königs Kehle sprach es laut: 

Wie gut dass jeder weiß, dass ich Rumpelstilzen heiß.

in die niedre Menschenwelt verdammt seist du, du König Elend.

Denn das ist schlimmer, als dem Tode dich befehlend.


Der Sinn des Lebens - ein Gedicht.

Oder: life's a bitch sometimes.

Seit dem der erste Mensch den Fuß zum Gehen spreizte

ihn mehr als Nahrungssuche reizte.

Denn seit ihm Bewußtsein wurd geschenkt,

er nach Höherem sich verrenkt.

So sucht er seit dem ersten Tage

die Antwort auf die eine Frage.                (Was ist der Sinn des Lebens?)

 

In eignen Dorf ward sie nicht zu finden,

so lag die Lösung nah,

zum Nachbarort flugs zu entschwinden.

Doch was man hier dann sah,

war anders als im Heimatort.

Anders ist nicht gut, das ist bekannt,

drum ging einer wieder fort

um kurzerhand

das eigne Dorf zu mobilisieren

um des Nachbars Stätte zu invasieren.

 

So führen seither Krieg die großen Mächte,

proglamierend, dass das den Frieden brächte.

Aufrecht sitzend am Tisch der Diplomaten,

wird verteilt des Volkes Braten.

 

So auch einst geschehen, vor nur allzu kurzer Zeit,

saßen die Herren, zum Erobern bereit,

an dem Tisch der Weltstrategen –

kurz davor uns alle wegzufegen.

 

Doch Wunder – kommt doch durch das Fenster geschwebt,

ein ausserirdisch Wesen – ja, es lebt!

Ohne Zweifel ist dies der größten Macht ein abgesandter,

ehrfurchtseinflössender Himmelsverwandter.

 

Streng schaut es auf die Welt-Vertreter nieder,

und lässt vom Mächt‘gen die Herren wissen:

Das passiert auf dieser Welt nie wieder,

ihr habt komplett verschissen.

Schaut euch um und seht, wohin ihr es gebracht.

Ihr ward unser wichtigstes Experiment,

doch nichts als Unsinn habt ihr hier gemacht,

kein Ziel erreicht und völlig resistent.

 

Euer Klageweh nach Macht und Wohlstand kann uns nicht mehr betören,

nutzlos seid ihr, und nur schädlich,

gescheitert seid ihr, und zwar kläglich.

Tut mir leid – wir müssen euch zerstören.

 

Den Stab aus Sternenstaub zum letzten Schlag erhoben,

falln die Männer nieder zu des Wesens Füßen,

wimmernd, schreiend betteln sie und wolln geloben,

es doch zu richten – „Lasst uns noch nicht büßen“.

 

In drei Tagen nur, so schwören sie auf Stein und Bein,

ist die Welt wie sie soll sein.

 

Ein letzter Akt wurd ihn‘ gestattet,

auf das die Welt ward nicht bestattet.

 

Und ihr lieben Leut, ihr glaubt es kaum,

sie erfüllten ihr Versprechen von unser aller Traum.

Krieg und Hunger, Habgier und Neid,

alles nun Vergangenheit.

Frieden war das neue Glück.

So kam das Wesen dann auch zurück.

 

Stolz ward präsentiert was doch unmöglich war,

und als das Wesen dieses sah,

liefen Tränen aus den Sternenaugen,

und es sprach – „Das ist doch kaum zu glauben.

Wir schufen euch zur Kriegesführung!

Doch ihr lebt Fried und Rührung?

Das ist ein schwerer Fall.

Zu Staub mit euch, ins Sternenall“.

So wards geschehn, mit Urgeknall.

 

 

Und die Moral von der Geschicht?

Die gibt es nicht.

 

 Susanne Fritz

Hamburg, 19. Dez. 2013

Ein Wunder

Für Sie & Ihn

Glaubst du noch an Glück?

An Wunder, die geschehn?

Und dass es jeden treffen kann,

ob gut ob bös, ob Frau ob Mann?

Pass auf - ich erzähl dir hier ein starkes Stück,

erst gestern wars, du wirst schon sehn.

 

Kennst du die Louise,

Louise die Fiese?

Einst ein schönes Weib voll Pracht und Blüte,

nur leider ohne jeglich Herz und Güte.

 

Die Louise, die der Karl gefreit,

vor recht langer Zeit.

Der Karl, der damals jeden Rock gelüftet hat,

und nach der ersten Stund die Unschuld hatte satt.

Karl der Große, ganz großer Herzensbrecher.

Karl der Schurke und Pommeranzenstecher.

 

Dass er die Louise hat geehelicht,

gewunderts hats die Leute nicht.

Das war ihr leichtestes Spiel:

Mit Raffiness und Sexappeal.

 

Doch schnell vorbei wars mit Appealitäten,

 

Sex gehört heut zu den Raritäten.

Schimpf und Mecker sind sein täglich Brot.

Und andre Röcke? Schon lang nicht mehr im Angebot.

 

Um die 60 müssten beide heute sein,

und so sollte man jetzt denken,

das könnt es schon gewesen sein.

Doch möcht ich hier mal ein- und zwar lenken,

das noch kein Wunder ist geschehn.

Eines muss man aber wissen,

um Wunder zu verstehn,

Wunder haben kein Gewissen,

sie können jeden treffen – so kanns gehn.

 

Das Wunder was den Karl erwischt,

war beim Angeln, als ein Fisch an seiner Leine zischt.

Groooß war er, und schwer,

und zappeln tat er sehr.

Doch am End – hing der Fisch

in der Luft  und bald wohl auf dem Tisch.

Bis? Die dunkle Stimme aus dem Fische sprach:

Schenk mir mein Leben, lass die Leine nach.‘

Erschrocken fiel der Karl auf seinen Arsch,

hör ich richtig, spricht der Barsch?

 

Was redest du, du Fisch, du dummer,

lass mich in Ruh mit deinem Kummer!

Und wollt den Barsch hinüber ziehn,

da hat der Fisch ihn angeschrien?!

Wer ist hier dumm und dümmer?

Hast schonmal Fische sprechen hörn?

Nicht auf mich zu hören ist noch viel schlimmer,

als unschuld'ge Mädchen zu betörn.

Bleib jetzt sitzen und hör zu,

du großer Karl,

einen Wunsch frei, den hast du,

wenn du mir erläßt die Todesqual.

Lass mich wieder in das Wasser nieder,

und dein Wunsch sei mir Befehl.

diese Chance kriegst du nie wieder,

bei meiner Seel.

 

Da hat der Karl sich dann gefragt,

ja, wieviel Fische können sprechen?

Es nur gewinnt, wer auch was wagt.

Warum dem Fisch die Kehl durchstechen.

 

In des Flusses Tiefe ließ er ihn entgleiten,

und man möchte nicht bestreiten,

dass es an Träumen ihm nicht fehlte,

ihn ein Traum doch ganz besonders quälte.

Dieses Leid sollt nun ein Ende haben,

und so hört er sich zum Fische sagen:

 

Fisch, du großes Glück, du gnädig Segen,

neue Lebensgeister sich in mir regen,

hier sei mein Wunsch an dich:

Mach meine Frau 30 Jahr jünger als mich.

 

Dies ist dein Wunsch? ist meine einzge Frage,

dann solls geschehn von heut an bis zum letzten Tage.

 

JA, sprach der Karl ganz groß,

und schon ging das Wunder los.

So tats der Fisch und es geschah –

schwupps, war Karl nun 90 Jahr!

Susanne Fritz

 Hamburg, 14. Feb. 2014



Manchmal reicht ein Augenblick, um ein ganzes Leben zu vergessen.

Manchmal reicht ein ganzes Leben nicht, um einen Augenblick zu vergessen.

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